Per Autostopp um die Welt (45)
Die imaginäre Linie eines Grenzübergangs

Autostöppler Thomas Schlitter ist fasziniert von Grenzübertritten. Seine Reise führt diesmal von Bangkok (Thailand) nach Yangon (Myanmar). Und die Fahrgelegenheiten, die haben es in sich.

Thomas Schlittler
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Per Autostopp um die Welt.
48 Bilder
Von Bangkok nach Nakhon Chaisi_Ich bin wieder on the road - und habe einen neuen Reisekumpel: Tschügge, ein guter Freund von mir aus der Schweiz
Das Stöppeln zu zweit funktioniert erneut auf Anhieb. Unter anderem dank diesem thailändischen Polizisten, der einen Fahrer rauswinkt, um uns zu helfen.
Von Nakhon Chaisi nach Nakhon Pathom_Der entsprechende Fahrer,der uns nur halbfreiwillig mitgenommen hat,will jedoch kein Selfie machen mit uns. Verständlich!
Von Ban Pong nach Kanchanaburi_Weiter Richtung Myanmar geht es auf der Ladefläche eines Pick-up-Trucks. Die Sonne brennt gnadenlos auf uns herunter
Von Ban Kao nach Kreuzung im Nirgendwo_Dass wir es auf diesen Lieferwagen schaffen, haben wir wiederum einem Polizisten zu verdanken, der uns vermittelt.
Von Kreuzung im Nirgendwo nach Ban Phu Nam Ron (Grenze): Die letzten Kilometer bis zur Grenze geht es dann in diesem vollgestopften- aber schön gekühlten-Minibus
Von Ban Phu Nam Ron (Grenze) nach Dawei_Um über die Grenze zu kommen, haben wir dann nicht viel Auswahl. Es fahren nur wenige Autos nach Myanmar ...
Wir sind deshalb mehr als dankbar, dass wir auf dem Gepäckberg eines vollgestopften Lieferwagens Platz nehmen können. Eigentlich dachten wir, dass wir ...
... mit diesem Wagen nur bis zum ersten Grenzdorf in Myanmar fahren können. Schliesslich wird es aber eine 150km lange, turbulente Fahrt (siehe Video)
Trotz Platzregen müssen wir auf dem Dach bleiben, die Sitze im Auto sind von diesen Herren besetzt. Am Ende will der Fahrer aber trotzdem 380 Baht (CHF 11.-)
Von Dawei nach Yebyu_Einen Tag später, auf diesem Pick-up würden wir uns schon wieder Regen wünschen. Die Sonne ist gnadenlos
Von Yebyu nach Kyauk Shat_Eine aussergewöhnliche Mitfahrgelegenheit: Auf der Ladefläche eines LKW, der voller Salatblätter ist (siehe Video)
Von Kyauk Shat nach Moulmein_Die letzte Tagesetappe verbringen wir dann in der Fahrerkabine eines anderen LKW. Enger, aber doch angenehmer.
Von Moulmein nach Hpa-An (mit dem Schiff) Die nächste Teilstrecke legen wir mit dem Boot zurück. Die Fahrt ist ein Traum für Hobbyfotografen
Von Hpa-An nach Thaton_Suda ist einer der aufgestelltesten Fahrer, die wir in der ersten Woche in Myanmar hatten. Der 39-jährige Chaffeur freut sich sichtlich.
uns kennenzulernen. Er will uns auch unbedingt eine neue Mitfahrgelegenheit organisieren. Und das schafft er auch. Und zwar nicht irgendeine ...
Von Thaton nach Kyaikto: Sondern einen anderer LKW, beladen mit Zementsäcken.
Es ist definitiv die Woche der speziellen Mitfahrgelegenheiten
Von Kyaikto nach Yangon_Unsere letzten zwei Fahrer haben dann wieder einen ganz normalen - gekühlten! - Wagen. Sie bringen uns die 170km direkt nach Yangon.
Von Hpa-An nach Thaton_Suda ist einer der aufgestelltesten Fahrer, die wir in der ersten Woche in Myanmar hatten. Der 39-jährige Chaffeur freut sich sichtlich.
Bereits fertig ist die Tempelanlage im Stadtzentrum. Es ist ein beliebter Treffpunkt, um den Sonnenuntergang zu erleben.
Sie werden in vollgestopften Bussen zu der Stätte gefahren.
Auf dem Weg von der Grenze nach Dawei, der ersten grösseren Stadt in Myanmar, fahren wir durch kleine, ganz einfache Dörfer. Fast alle winken uns fröhlich zu.
Einer der berühmtesten Stupas in Myanmar steht auf dem Goldenen Fels in Kyaikto. Es ist eine wichtige Pilgerstätte für die Einheimischen.
Als wir ein paar Tage später, etwas weiter nördlich, eine Bootsfahrt machen,erleben wir genau das Gleiche. Vor allem die Kinder freuen sich, Ausländer zu sehen.
Viele Kinder und Frauen haben braungelbe Farbe im Gesicht. Diese Gesichtsbemalung heisst Thanaka und hat Tradition in Myanmar.
Was im Vergleich zu Thailand ebenfalls sofort ins Auge sticht_In Myanmar hat es deutlich mehr einfache Häuser aus Bambus.
Was In der ersten Woche in Myanmar ebenfalls aufgefallen ist, sind die zahlreichen Kirchen aus der Kolonialzeit.
In der Stadt Moulmein besuchen wir eine buddhistische Pilgerstätte. Hauptattraktion: Eine über hundert Meter lange liegende Buddha Statue.
Eine zweite Statue - ebenso gross - ist noch in Bau.
Die Bootsfahrt nach Hpa-An ist ein Leckerbissen für Hobbyfotografen wie mich.
Und auch Moscheen findet man in dem mehrheitlich buddhistischen Land.
Gestrandete Schiffe, in denen die Einheimischen leben.
Hier im Südwesten Myanmars hat es nach wie vor relativ wenig Touristen. Viele Einheimische sind deshalb neugierig, wenn sie Ausländer sehen.
Eine Hochzeitgesellschaft auf den Strassen Myanmars. Zuerst das Brautpaar.
Junge Tänzer - wie an der Streetparade in Zürich.
Und zuhinterst die Musikboxen, damit auch die ganze Stadt weiss, was los ist.
Ganz viele verschiedene, teils spektakuläre Orte.
Was genau gleich ist wie überall: Sobald man in grössere Ortschaften kommt, ist es vorbei mit der Ruhe.
Schiffe, auf denen der Kapitän offensichtlich nicht so grossen Wert auf Ordnung legt. Im Hintergrund ist zudem ein goldener Stupa zu sehen.
Fischer, die sich ihr täglich Brot verdienen.
Auch auf diesem Bild ist ein goldener Stupa zu sehen. Wer findet ihn?
Die buddhistischen Bauwerke, die Buddha und seine Lehre symbolisieren sollen, sind in dem Land extrem zahlreich zu finden.

Per Autostopp um die Welt.

Thomas Schlittler

Grenzüberquerungen auf dem Landweg sind so faszinierend wie verstörend: Die Natur, die sich nicht um Staatsgrenzen kümmert, sieht auf beiden Seiten der Grenze genau gleich aus. Dennoch gibt es diese imaginäre Linie, die irgendwann einmal mehr oder weniger willkürlich gezogen wurde – und die nun bestimmt, bis zu welchem Baum, Felsen oder Fluss es den Menschen finanziell besser oder schlechter geht.

Zwischen Phu Nam Ron und Htee Kee, zwei kleinen Dörfern, die keine zehn Kilometer auseinander liegen, ist dieser wirtschaftliche Klassenunterschied besonders gut erkennbar. In dem Moment, in dem wir Thailand verlassen und in Myanmar einreisen, müssen sich mein Kumpel Tschügge, der die nächsten Wochen mit mir reist, und ich festklammern: Wir bekommen den ratternden Wechsel von Teer auf Schotter besonders intensiv zu spüren, weil wir hoch oben auf dem Gepäckberg eines vollgestopften Lieferwagens sitzen.

Doch der neue Strassenbelag ist nicht die einzige Veränderung, die uns von unserem fahrenden Aussichtsturm aus auffällt. Die Anzahl Autos nimmt in Myanmar ebenfalls schlagartig ab. Dagegen sind auf einmal deutlich mehr goldene Stupas zu sehen – religiöse Bauwerke, die Buddha sowie dessen Lehre symbolisieren. Und die Wohnhäuser, die gerade noch aus stabilem Beton am Strassenrand standen, sind jetzt mehrheitlich aus Bambus und Palmblättern.

Auch die Menschen, die vor diesen Hütten stehen, sind bereits auf den ersten Blick etwas anders als in Thailand. Die Männer spucken alle paar Sekunden eine rote, blutähnliche Brühe auf den Boden, die sie aufgrund des ständigen Betelnuss-Kauens im Mund haben. Die zerstampfte Nuss wird mit Kalk und verschiedenen Gewürzen gemischt und in das Blatt eingewickelt und dann gekaut. Dr. Best würde sich im Grab umdrehen, wenn er die Auswirkungen auf die Zähne sehen würde.

Auffällig ist auch, dass zahlreiche Frauen, Kinder und teils gar Männer ganz aussergewöhnlich geschminkt sind. Nicht mit Lippenstift und Wimperntusche, sondern mit gelbbrauner Farbe, die sie im Gesicht verteilt haben. Wer es nicht besser weiss, könnte meinen, einige kommen gerade von einer Schlammschlacht. Dabei ist diese Gesichtsbemalung, Thanaka genannt, ein weit verbreiteter Brauch in Myanmar.
Die eindrücklichste und schönste Veränderung nach der Grenzüberquerung ist jedoch, dass uns auf der 150 Kilometer langen Strecke von der Grenze bis nach Dawei, der nächsten grösseren Stadt, fast jeder zuwinkt. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen in diesem Teil Myanmars noch nicht so viele Touristen zu Gesicht bekommen haben wie in Thailand. Denn auf Google Maps ist die Strasse teilweise nicht einmal zu finden. Vielleicht sind die Einheimischen aber auch einfach überrascht, dass sich zwei „reiche Westler“ nicht zu schade sind, auf dem Dach Platz zu nehmen, wo sie Wind und Wetter ungeschützt ausgeliefert sind.
Und tatsächlich erhalten wir während der fast fünfstündigen Fahrt eine unfreiwillige, heftige Dusche: Die dicken Tropfen knallen wie Peitschenhiebe auf unsere Haut und unsere Kleider sowie Rucksäcke sind innert kürzester Zeit völlig durchnässt. Dank dem Fahrtwind und der zurückkehrenden Sonne sind wir bis am Ende der Fahrt zwar wieder trocken, aber auch fix und fertig. Wir haben deshalb wenig Verständnis, als unser Fahrer für diese unbequeme Fahrt auch noch Geld will.

Wir geben ihm aber unsere letzten 380 thailändischen Baht (11 Franken) und stellen einen weiteren Unterschied fest, den die Überschreitung der imaginären Linie mit sich gebracht hat: Hier in Myanmar muss man – im Gegensatz zu Thailand – vor dem Einsteigen wieder sagen, dass man kostenlos mitfahren will.