Der populärste Baselbieter

Warum Roger Federer eine Münze verdient und warum man in Zürich eher keine Strasse nach ihm benennt.

Thomas Renggli
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Thomas Renggli

Thomas Renggli

Dieser Tage wurden und werden überall auf dem Globus die «Sportler des Jahres» erkoren – so auch in der hehren Eidgenossenschaft. Am 15. Dezember gehen in den Zürcher Studios von SRF die Sport Awards an ihre neuen Besitzer/-innen. Vieles ist wie bei den Oscars: Die Tränen kullern, die Lobreden werden gehalten, der Dank geht an den Trainer, die ganze Familie und selbstverständlich an alle Sponsoren. Ein Blick in die Kristallkugel lässt erahnen, wer am Leutschenbach die salbungsvollen Worte sprechen darf: Schwingerkönig Christian Stucki und Sprintprinzessin Mujinga Kambundji.

«Sportler des Jahres» ist jedoch bloss ein Diminutiv. Als Steigerungsformen bieten sich fünf Varianten an: 1. Sportler des Jahrzehnts. 2. Sportler des Jahrhunderts. 3. Sportler des Jahrtausends. 4. Bester Sportler aller Zeiten. 5. Allerbester Sportler aller Zeiten.

Obwohl weder Zukunftsforscher noch Mike Shiva oder Uriella bisher herausgefunden haben, wie lang «alle Zeiten» dauern, sei hier die Behauptung gewagt, dass Roger Federer nach 21 Profijahren auf der ATP-Tour der reichste, der beste und sogar der allerbeste Schweizer Athlet aller Zeiten ist. Folgerichtig wird der populärste Baselbieter der Welt als erster lebender Schweizer mit einer Münze geehrt – zuerst in Silber, später in Gold.

In Zürich Wollishofen gibt es ausserdem die Federer-Strasse. Allerdings ist die Heinrich Federer gewidmet. Er war Schriftsteller und schrieb Sätze, anstatt Sätze zu spielen. Roger Federer ist trotzdem nicht länger «unbestrasst». 2016 wurde nach ihm beim nationalen Tenniszentrum in Biel die Federer-Allee benannt.

In Zürich dagegen dürfen nur Tote unsterblich werden. So gibt es beim Hallenstadion den Hugo-Koblet-Weg. Damit Ferdy Kübler in Adliswil noch zu Lebzeiten gleiche Ehre erteilt wurde, musste 2007 ein Weg gefunden werden, der keine Grundbuchänderung erforderte. Dieses Problem kannte auch Huldrych Zwingli. Er musste nach seinem Ableben (1531) 354 Jahre warten, bis ihm in seiner Heimat ein Denkmal gesetzt wurde. Zwingli steht bei den Sport Awards 2019 nicht zur Wahl. Einen Titel kann ihm aber niemand mehr nehmen: Er ist der berühmteste Zürcher aller Zeiten.