Frankreich
Das Wahlresultat ist trügerisch

Die französische Rechte profitiert davon, dass breite Bevölkerungsschichten in Frankreich mit der Regierung unzufrieden sind. Dieser Effekt könnte jedoch wieder abklingen. Der Kommentar von Frankreich-Korrespondent Stefan Brändle

Stefan Brändle
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Seine UMP gilt als die Siegerin bei den Departementswahlen: Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

Seine UMP gilt als die Siegerin bei den Departementswahlen: Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

Keystone

Die erste Runde der französischen Departementswahlen geht an die konservative Union für eine Volksbewegung (UMP). Auch wenn sie klar vor den anderen Grossparteien liegt, brach ihr Vorsteher Nicolas Sarkozy keineswegs in einen Begeisterungssturm aus: Er weiss, dass seine heillos zerstrittene Partei bei diesen «Zwischenwahlen» vor allem vom Abstraf-Effekt für die regierende Linke profitiert.

Der Front National (FN) bleibt hinter seinen eigenen Erwartungen zurück, verpasste er doch klar das Ziel, stärkste Partei Frankreichs zu werden. Die regierenden Sozialisten halten den Schaden in Grenzen. Aber sie werden im zweiten Wahlgang in einer Woche viele Departemente verlieren.

Und bei den Präsidentschaftswahlen von 2017? Viele setzen dabei bereits Sarkozy und Le Pen in der Stichwahl. Doch das Wahlresultat von Sonntagabend ist trügerisch. Der UMP-Chef laboriert immer noch an seinem verpatzten Comeback. Und die FN-Präsidentin hat kaum politische Lösungen und noch weniger Regierungserfahrung anzubieten. Spätestens im Wahlkampf 2017, wenn die einzelnen Argumente gegeneinander abgewogen werden, dürfte den Franzosen diesbezüglich ein Licht aufgehen.

Stefan.Braendle@azmedien.ch