Kommentar
Birchermüesli und Brot für die Berner Wutbauern

Weil sie sich gegen die Vorwürfe von Migros-Chef Herbert Bolliger, sie würden den Schweizer Markt abschotten, wehren wollten, machten sich 20 Bauern auf zu einer Mahnwache vor dem Verteilzentrum in Schönbühl. Zum Eklat kam es aber dann doch nicht.

Dennis Bühler
Dennis Bühler
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Traktor auf Feldweg (Symbolbild)

Traktor auf Feldweg (Symbolbild)

Keystone

Zum Showdown kam es in der Nacht: Um 3 Uhr am Montagmorgen der vergangenen Woche trafen sie beim Verteilzentrum der Migros Aare in Schönbühl ein. Sie: «20 Bauern, 16 Traktoren», wie die «Berner Zeitung» schrieb.

Sie wollten sich wehren gegen die Aussagen von Migros-Chef Herbert Bolliger, der ihnen in der «Schweiz am Sonntag» vorgeworfen hatte, sie würden den Markt abschotten – und zwar nicht der Qualität willen, sondern aus purem Eigennutz.

In einem Schreiben rief der Verband Bäuerliches Zentrum Schweiz zur Mahnwache mit Blockade auf, um für mehr Geld für Milch und Kartoffeln und gegen Agrarfreihandel zu demonstrieren. Denn: «Der Grossverteiler und der Milchverarbeiter machen die Bauern zu Bettlern. Jetzt haben wir genug, das Fass ist voll!»

Beim Verteilzentrum wurden die wütenden Bauern bereits erwartet: Von zehn nervösen Polizisten, bereit, sich und die Migros Aare bis zum Äussersten gegen Heugabeln und Sicheln zu verteidigen. Diese nämlich beliefert 140 Filialen – und wenn auf einmal keine Milchprodukte, Früchte und Gemüse mehr ausgeliefert werden können, nagt am Ende noch die gesamte Region Bern am Hungertuch.

Dass man hierzulande zum guteidgenössischen Kompromiss tendiert, bewiesen die Wutbauern und Geizgrossisten dann doch noch. Der Kampf der Kulturen wurde abgesagt. Stattdessen sass man morgens zwischen 3 und 4 Uhr zusammen, um die Vorwürfe zu besprechen. Danach gab es Birchermüesli und Brot für alle. Und dann ging es zurück in den Stall.

inland@azmedien.ch