De Schepper
Ausländer sind Teufelszeug

Alpen, Kühe, Heimatkitsch: Beim Schweizer Fernsehen hat «Swissness» einen hohen Stand. Ausländer fallen trotz über 20 Prozent Bevölkerungsanteil TV-Programm-technisch durch die Maschen. Auch für die Demokratie wäre eine Anpassung wünschenswert.

Werner De Schepper
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Zu «Swissness» gehören auch die über 20 Prozent Ausländer, findet AZ-Kolumnist Werner De Schepper.

Zu «Swissness» gehören auch die über 20 Prozent Ausländer, findet AZ-Kolumnist Werner De Schepper.

Keystone

Die Swissness ist ein Teufelszeug». Das sagt SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel in einem internen Seminar über die Zukunft des Schweizer Fernsehens und fordert eine Neuausrichtung des Senders. Es gebe «definitiv zu viele Kühe und Alpen im Programm». Das Problem sei, dass die Swissness einen «unkritischen, oft idealisierten und teils verkitschten Blick auf unser Land wirft». Als positive Gegenbeispiele nennt er hingegen die Castingshow «The Voice of Switzerland», in der viele Secondos mitmachen.

Weniger «Landfrauenküche», mehr «Voice of Switzerland»! Die Forderung des SRF-Unterhaltungschefs befremdet: Ein importiertes Format mit englischem Namen soll in Zukunft die Ausländer im Land besser integrieren. Nein danke. Das kann es doch nicht sein. Im Gegenteil: «SRF bi de Lüt» ist der wichtigste Programmauftrag für jeden Sender, der Land und Leute informieren und unterhalten will. Nur sollte man wirklich bei den «Lüt» sein. Bei allen «Lüt» im Land. Wieso nicht mal bei der «Landfrauenküche» auch einen Blick auf einen portugiesischen oder kroatischen Teller werfen? Spätestens seit «Bauer, ledig, sucht» wissen wir, dass viele Schweizer Bauern auch mit Secondas glücklich werden.

SRF hat ein Ausländerproblem. Auch in den Informationssendungen spielen die Ausländer im Land keine Rolle. Das ist jetzt wissenschaftlich: Laut einer Untersuchung des Medienbeobachtungsinstituts Mediatenor gab es seit Anfang Jahr 2992 «Tagesschau»-Sendungen mit 14 056 Akteuren. Trister Befund: Genau 1 Prozent aller Akteure waren Migranten oder Migrantinnen – und das bei über 20 Prozent Ausländern im Land. Früher gab es noch die Gastarbeitersendung «Un ora per voi» – jetzt gibt es gar keine Ausländer mehr.

Ausländer haben nichts zu sagen. Selbst, wenn es genau um sie geht. Wie bei Ecopop oder der Masseneinwanderungsinitiative. Mit Ausländern reden wir in diesem Land nicht über Abstimmungen. Ihre Meinung spielt keine Rolle. Abstimmen tun andere. Nicht mal privat interessiert uns wirklich, was Ausländer von Abstimmungen halten, die sie betreffen. Lieber reden wir mit ihnen über Fussball oder Ferien. Darum ist das Schweizer Fernsehen ein gutes Abbild der Schweiz. Es redet nur über Schweizer.

Solange wir nicht wissen, wer die Ausländer hier sind, was sie machen und wie sie denken, bleibt die Ausländerfrage eine emotionale Wundertüte. Nach Ecoflop ist vor Ecopop.

Werner De Schepper ist Kolumnist der «Nordwestschweiz».

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