Apropos
47 Sekunden Ruhm

An einer Eishockey-Weltmeisterschaft tummeln sich Fans aller Couleur. Der Fantasie sind besonders betreffend Outfit keine Grenzen gesetzt. Einer fiel dabei besonders auf: der Schweizer Andy Bula. Er begeisterte mit seinen Tanzmoves. Ein Kommentar.

Marcel Kuchta
Marcel Kuchta
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Je ausgefallener desto besser: Den Fans sind keine Grenzen gesetzt.

Je ausgefallener desto besser: Den Fans sind keine Grenzen gesetzt.

Keystone

Da laufen auch bei fast 30 Grad Aussentemperatur Menschen in Ganzkörperanzügen durch die Strassen von Prag – oder in Kuhkostümen. Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Mikroorganismen in dieser Umgebung gedeihen. Und welche Ausdünstungen sie zur Folge haben.

Den Fans ist das sowieso einerlei. Sie veranstalten auf Prags Strassen und vor der O2-Arena ihre Riesenpartys. Die Festivitäten setzen sich dann auch nahtlos im wunderbaren Stadion fort. Die Zuschauer feiern die Spieler und vor allem sich selbst. Dabei ist es mitunter das vordringlichste Ziel, auf dem riesigen Videowürfel gezeigt zu werden – oder sogar im Fernsehen. Je ausgefallener das Erscheinungsbild und je grösser das Spektakel, umso wahrscheinlicher ist es, dass man ein paar Sekunden Ruhm erhaschen kann.

So, wie das dem Schweizer Andy Bula im Spiel gegen Frankreich gelungen ist. Der Schulleiter der Gemeinde Kallnach zog die Aufmerksamkeit der anderen Zuschauer – und schliesslich auch der Kameras auf sich. Und zwar mit seinen faszinierenden Tanz-Moves. Bei jeder Spielunterbrechung wirbelte der Mann mit der kuriosen Wasserball-Kappe auf dem Kopf mit abenteuerlichen Verrenkungen durch die leere Sitzreihe – zur Gaudi des Publikums.

«Beim Spiel gegen Frankreich gab es keine Cheerleader, deshalb reagierte ich und übernahm die Tänzer-Funktion spontan selber. Das artete dann aus, sodass ich bei jedem Spielunterbruch tanzen musste», erzählte Bula später gegenüber dem Radiosender SRF 3, der ihn in Prag auf dem Handy erreichte.

Der Mann, der in seiner Freizeit den EHC «Ischbär» Lyss trainiert, wurde, nachdem das 47 Sekunden dauernde Video von ihm im Internet rasend schnell verbreitet wurde, von seinen Kollegen und Freunden förmlich mit Nachrichten bombardiert. Er sagt: «Es schreiben mir plötzlich Leute, die ich sieben Jahre nicht mehr gesehen habe – unglaublich! Irgendwann musste ich einen Standardtext verfassen, um überhaupt allen antworten zu können.»

Gut möglich, dass der Mann seinen nächsten Auftritt als Schulleiter mit Tanzmoves anreichern muss.