Matura-Streiche
Zwischen Sittenverfall und Schabernack

Die Kantonsschule Solothurn verbietet die traditionellen Matura-Streiche am letzten Schultag.

Sven Altermatt
Sven Altermatt
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Die Kantonsschule Solothurn verbietet es den Maturanden, Streiche zu machen.

Die Kantonsschule Solothurn verbietet es den Maturanden, Streiche zu machen.

Felix Gerber

Schon die Gymnasiasten in Erich Kästners «Das fliegende Klassenzimmer» liessen es ordentlich krachen, um gegen Lehrer und verfeindete Schüler zu kämpfen. Vor Prügeleien und Vandalismus schreckten sie nicht zurück. So weit gehen die Maturanden der Kantonsschule Solothurn nicht, wenn sie ihren Lehrern und den jüngeren Schülern am letzten Schultag einen Streich spielen. Trotzdem endeten die Matura-Streiche in den vergangenen Jahren auch in Solothurn mehrmals als Schmierereien oder mit verbarrikadierten Schulzimmern. Die Frage ist deshalb unausweichlich: Was ist bloss aus den heiteren Streichen geworden, die seit Jahrzehnten zur Schulfolklore gehören? Wer die Matura besteht, sein Reifezeugnis also in der Tasche hat, darf das mit Schabernack feiern. Aber Sachbeschädigungen?

Der Trend hin zu fragwürdigen Spässen scheint auf den ersten Blick unaufhaltbar. Trotzdem wäre es falsch, einen Sittenverfall zu befürchten. Denn ausartende Matura-Streiche sind so alt wie die Matura-Streiche selbst. Das anerkennen selbst Lehrer. Es gibt Interessenkonflikte, die lassen sich nicht so schnell beilegen. Auch nicht nach Jahrzehnten. Und erst recht nicht, wenn sie regelmässig aufflammen und sich eigentlich nur um vermeintlich harmlose Albereien drehen. Da bleibt nur eines: Die Maturanden und die Schulleitung müssen immer wieder von Neuem austarieren, was erlaubt ist. Die Schulabgänger tun ihren Nachfolgern keinen Gefallen, wenn sie Grenzen überschreiten. Genauso wenig sollten strengere Regeln jedoch als Allzweckmittel dienen. Sie warten nur darauf, erst recht gebrochen zu werden.

sven.altermatt@azmedien.ch

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