Volksschulen der Region
Zusammenarbeit in der Schulraumplanung mindert den finanziellen Druck

Das Bevölkerungswachstum führt dazu, dass schulische Infrastruktur an ihre Grenzen kommt. Mit regionaler Zusammenarbeit könnte der finanzielle Druck auf die einzelnen Gemeinden verringert werden.

Philipp Felber
Philipp Felber
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Gemeindepräsident Daniel Lederer (stehend) informierte die zahlreichen Interessierten über den geplanten Ausbau des Schulraums in Oberbuchsiten.

Gemeindepräsident Daniel Lederer (stehend) informierte die zahlreichen Interessierten über den geplanten Ausbau des Schulraums in Oberbuchsiten.

Markus Müller

Oberbuchsiten steht exemplarisch für das rasante Bevölkerungswachstum der letzten Jahre in der Region. Ein Fünftel mehr Einwohner in den letzten zehn Jahren lassen die Infrastruktur an ihre Grenzen stossen. Und auch in anderen Gemeinden, vornehmlich im Gäu, im Untergäu und im Niederamt sind ähnliche Entwicklungen zu sehen. Kein Prophet zudem, wer davon ausgeht, dass diese Entwicklung in Zukunft noch verstärkt wird. Ein Blick auf die immense Bautätigkeit in der Region genügt dafür.

Mehr bezahlbarer Wohnraum lockt unter anderem Familien und junge Paare an. Und dies hat weitreichende Konsequenzen für die Gemeinden. Gerade im Schulbereich sind die Folgen absehbar: Neuer Schulraum muss her. Oberbuchsiten plant bereits ein neues Schulhaus, und auch der Egerkinger Gemeinderat muss sich dieser Tage über Möglichkeiten der Schulraumplanung Gedanken machen.

Neuer Schulraum kostet die Gemeinden Millionen

Gleichzeitig zum Bevölkerungswachstum erfordert zeitgemässer Unterricht grössere Klassenzimmer und zusätzliche Räume für Gruppenarbeiten. Die Geldsummen, die dafür in die Hand genommen werden müssen, sind erheblich und belasten den Finanzhaushalt der Gemeinden über Jahre. In Egerkingen jongliert man mit Zahlen jenseits von 15 Millionen Franken, in Oberbuchsiten knapp um 10 Millionen.

Den Bauboom in den Dörfern abzuschwächen oder zu bremsen hat man in der Vergangenheit verpasst. Die Devise war: mehr Einwohner gleich mehr Steuerzahler. Dass aber gerade Familien mit schulpflichtigen Kindern den Schulraum nicht zahlen können, den sie brauchen, hätte man voraussehen können, ja müssen. Nun gilt es, die Suppe auszulöffeln.

Eine Primarschule im Dorf zu haben, ist ein wichtiger Standortvorteil für eine Gemeinde. Deshalb ist es richtig, dass die Gemeinden, wenn immer möglich, die Schule im Dorf selbst behalten wollen. In Holderbank wehrte sich der Souverän im letzten Dezember gegen eine Kreisprimarschule mit Balsthal, vor ein paar Jahren kam die angedachte Zusammenarbeit zwischen Rickenbach und Hägendorf auf Druck der Bevölkerung nicht zustande. Diese Beispiele zeigen, dass die Einwohner es nicht goutieren, wenn an der Dorfschule gerüttelt wird.

Trotzdem gibt es auch die Möglichkeit einer gemeinsamen regionalen Planung im Schulbereich. Zusammenarbeiten sind meist unter Zwang entstanden, weil die Schulen in Kleinstgemeinden wie Hauenstein-Ifenthal und Wisen schlicht zu klein waren, um zu überleben. In Walterswil ist man mit Safenwil sogar eine interkantonale Zusammenarbeit eingegangen.

Hat aber eine Gemeinde vorderhand genug eigene Schüler, müssen die Dörfer alles daran setzten, die Primarschulen zu behalten, um attraktiv zu bleiben. Familien mit Kindern mögen zwar einiges an Investitionen kosten, doch sie halten nicht zuletzt auch das Dorf und Vereinsleben im Schwung.

Gemeindepräsidentenkonferenzen sind gefordert

Doch der Ausbau von Schulraum muss aus regionaler Sicht im Auge behalten werden. So sind sinnvolle Synergien zu prüfen. Etwa bei der IT, der Koordination des nach Lehrplan 21 künftig obligatorischen Schwimmunterrichts, oder vielleicht auch bei Schulleitungsaufgaben. Hier sind die Gemeindepräsidentenkonferenzen gefragt, um Raum, Zeit und Geld effizient zu nutzen.

Zu den Kosten für neue Primarschulhäuser kommen zum Beispiel für den Kreisschulen Gäu und Unteres Niederamt weitere Investitionen hinzu. In Oberbuchsiten wurden Zahlen von 20 bis 28 Millionen Franken für den Ausbau der Kreisschule Gäu genannt. Die Kosten werden zwar auf die einzelnen Gemeinden aufgeteilt, trotzdem kommen Millionenbeträge auf die beteiligten Dörfer zu.

Die Frage, ob es denn überhaupt neuen Schulraum braucht, stellt sich gar nicht erst. Platz, um die zukünftigen Generationen zu unterrichten, muss ohne Wenn und Aber her. Doch dies wird ohne Steuererhöhungen in vielen Gemeinden nicht gehen. Da ist eine vorausschauende Finanzplanung notwendig. Und wenn einzelne Bereiche regional gelöst werden können, wird der finanzielle Druck immerhin etwas weniger werden.

philipp.felber@azmedien.ch