Wahlen SO 2017
Zeit für eine zweite Frau in der Regierung

Wochenkommentar zu den Solothurner Wahlen vom 12. März 2017

Beat Nützi
Beat Nützi
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«Dem Kanton Solothurn würde es gut anstehen, wenn der ersten Frau in der Regierung nach 30 Jahren endlich ein weibliches Duo folgen könnte.» (Symbolbild)

«Dem Kanton Solothurn würde es gut anstehen, wenn der ersten Frau in der Regierung nach 30 Jahren endlich ein weibliches Duo folgen könnte.» (Symbolbild)

Keystone

Economiesuisse, der wichtigste Wirtschaftsverband der Schweiz, wird von einer Frau geführt: Monika Rühl. Weitere Frauen stehen an der Spitze von bedeutungsvollen Unternehmen, zum Beispiel Susanne Ruoff bei der Schweizerischen Post, Jasmin Staiblin bei der Alpiq, Suzanne Thoma bei der BKW und Magdalena Martullo-Blocher bei der Ems-Chemie.

Frauen sorgen für stabilere Ergebnisse als Männer

Der Schein trügt nicht: Frauen sind in der Schweizer Wirtschaft auf dem Vormarsch – auch auf den Teppichetagen. Das bestätigt beispielsweise der alljährlich erscheinende «Schillingreport» des Zürcher Headhunters Guido Schilling.

Doch die Trendlinie verläuft nach wie vor auf tiefem Niveau: Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen beträgt aktuell etwa 6 Prozent, in den Verwaltungsräten zirka 13 Prozent. Doch Unternehmen sind heute gut beraten, wenn sie bei der Kaderrekrutierung auch auf Frauen setzen.

Denn Frauen handeln umsichtig und nachhaltig, was gegenwärtig in der Wirtschaft sehr gefragt ist. Interessant ist beispielsweise das Ergebnis einer Forschungsarbeit, bei der während zehn Jahren die Daten von rund 2000 dänischen Unternehmen analysiert wurden.

Fazit der Studie: Unternehmen mit einer Frau in der Spitzenposition wiesen gemessen an Gewinnen, Eigenkapitalrenditen, Umsätzen und Investitionen statistisch signifikant stabilere Ergebnisse aus als Firmen mit einem männlichen Chef.

Seit bald 30 Jahren sitzt eine Frau in Solothurner Regierung

Frauen sind auch in der Politik auf dem Vormarsch. Laut einem Bericht der Uno lag der Frauenanteil in den Parlamenten 2013 weltweit bei 21,8 Prozent. Die Schweiz figurierte mit 31 Prozent auf dem 34. Platz.

Aktuell weist des Bundesamt für Statistik folgende Zahlen für die Frauenrepräsentation in den politischen Institutionen aus: Bundesrat 28,6 Prozent, Nationalrat 32 Prozent, Ständerat 15,2 Prozent, Kantonsregierungen 24 Prozent, kantonale Parlamente 26,4 Prozent, Exekutiven der Städte 26,1 Prozent, Legislativen der Städte 29,2 Prozent.

Im Kanton Solothurn liegt der Frauenanteil in der Kantonsregierung seit 1988 unverändert bei 20 Prozent, im Kantonsparlament konnte der Frauenanteil alleine von 2009 bis zu den letzten Wahlen vor vier Jahren von 26 auf 30 Prozent erhöht werden.

In der Quote der gewählten Frauen vor vier Jahren spiegelte sich exakt der Frauenanteil auf den Kandidatenlisten, der über alle Parteien hinweg bei gut 29 Prozent lag. Bei den bevorstehenden Kantonsratswahlen im Kanton Solothurn nehmen die Frauen im Kandidatenfeld rund 28 Prozent ein.

Aus dieser Optik ist für das neue Parlament hinsichtlich Frauenvertretung eher mit einer Stagnation zu rechnen. Doch die Quantität der Kandidierenden ist nicht alleine ausschlaggebend. Zum Glück!

Auch «Jamaika»-Strategie brächte zwei Frauen

Eine Erhöhung der Frauenquote ist hingegen bei den Regierungsratswahlen möglich, ja geradezu zu erwarten. Wenn nämlich die beiden freiwerdenden Sitze durch die jeweiligen Parteien wiederbesetzt werden können, ziehen erstmals zwei Frauen ins Solothurner Rathaus ein: Marianne Meister (FDP) und Susanne Schaffner (SP).

Der Frauenanteil in der Regierung würde auf 40 Prozent verdoppelt. Das wäre auch der Fall, wenn die Strategie der «Jamaika-Koalition», welche die Grüne Brigit Wyss statt Schaffner protegiert, Erfolg hätte.

Auf jeden Fall würde es dem Kanton Solothurn gut anstehen, wenn der ersten Frau in der Regierung nach 30 Jahren endlich ein weibliches Duo folgen könnte. So oder so: Die Wahlen im Kanton Solothurn, denen wir heute eine Beilage widmen, versprechen Spannung.

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