Kommentar
Wovon Grenchen bis heute zehrt

Die Stadt Langenthal erhält den Wakker-Preis 2019. 2008 ging der Preis an Grenchen.

Oliver Menge
Oliver Menge
Drucken
Teilen
Bauten der Nachkriegszeit, für die Grenchen 2008 den Wakkerpreis erhielt
17 Bilder
Schwimmbad Grenchen Eines der ausgezeichneten Bauwerke ist die Badi, welche in vielerlei Hinsicht typische Eigenschaften für die Architektur dieser Zeit aufweist. Gebaut wurde sie von 1953 bis 1956 unter der Leitung des Architekten Beda Hefti.
Parktheater Grenchen Erbaut wurde das Grenchner Parktheater in den Jahren 1953 bis 1955. Der bekannte Zürcher Architekt Ernst Gisel hatte damals den national ausgeschriebenen Projektwettbewerb gewonnen und wurde mit der Realisierung des Baus beauftragt.
Luterbacherhof oberhalb Marktplatz Grenchen An der Rainstrasse, Ecke Marktplatz steht der Luterbacherhof, ein sehr markantes Gebäude der 50er Jahre.
Eta Fabrikationsgebäude oberhalb Marktplatz Am Marktplatz steht der prägnante Industriebau von Peter Straumann.
Eta Fabrikationsgebäude oberhalb Marktplatz Das Gebäude wurde 1973–1978 errichtet.
Eta Fabrikationsgebäude oberhalb Marktplatz
Fabrikbau Eta SA
Lehrlingsgebäude Eta SA
Stadion Bruehl
Titoni
Estima
Schulhaus Eichholz Bemerkenswert ist vor allem der Schulhausteil Eichholz West, welcher in der ersten Bauetappe erstellt wurde – dies in den Jahren 1958 bis 1960 unter der Leitung des Architekturbüros Etter + Rindlisbacher aus Langendorf.
Schulhaus Halden
Pavillons im Kinderheim Bachtelen
Terrassenhaus Rebgasse
Terrassenhaus Rebgasse

Bauten der Nachkriegszeit, für die Grenchen 2008 den Wakkerpreis erhielt

Felix Gerber

Vor zehn Jahren ging der Wakker-Preis an Grenchen. Auch an die Uhrenstadt am Jurasüdfuss musste damals nicht zwingend denken, wer über den Preis des Heimatschutzes sprach. Begründet wurde die Auszeichnung damit, dass die Stadt sorgsam mit ihrem architektonischen Erbe umgeht.

Exponenten wie der damalige Stadtbaumeister hatten sich in der Tat massgeblich dafür eingesetzt, dass Grenchen Sorge trägt zu seinen einzigartigen Bauten wie dem Schwimmbad, dem Stadion oder dem Parktheater. Schliesslich strahlt deren architektonische Bedeutung bis heute weit über Grenchen hinaus.

Seither hat die nationale Ehre auch in der Bevölkerung das Bewusstsein dafür geweckt, dass Grenchen mehr ist als nur ein hässliches Entlein. Die Industriestadt, aus einem Bauern- und Handwerkerdorf gewachsen, hat zwar kein Zentrum mit repräsentativen Bauten oder Kirchen vorzuweisen. Dieses einzigartige Gesicht aus zunehmend wieder hippen Industriegebäuden und einst zukunftsweisender Architektur trägt Grenchen heute mit Stolz.

So sanieren private Hausbesitzer ihre Liegenschaften heute zunehmend, statt sie abzureissen und neue 08/15-Architektur hinzuklotzen. Weil sie stolz auf ihr bauliches Erbe sind. Und dieses Selbstvertrauen spielt zunehmend auch in der Politik, die sich heute stärker auch für die eigenen Gebäude interessiert.

Der Wakker-Preis hat den Grenchnern nebst Selbstvertrauen also den Anstoss gegeben, etwas gegen das schlechte Image zu tun. Und das versuchen sie bis heute wacker.

oliver.menge@chmedia.ch