Stadtbummel Solothurn
Wir reden «Dacheles» – hier und jetzt

Das Dach ist der rote Faden durch diesen Solothurner Stadtbummel.

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Hat auch ein Dach: Das 15 Meter hohe Public-Viewing-Monumen auf dem Dornacherplatz.

Hat auch ein Dach: Das 15 Meter hohe Public-Viewing-Monumen auf dem Dornacherplatz.

zvg

Eins aufs Dach bekommen derzeit viele. Die Österreicher haben ihr traumatisches Erlebnis schon gehabt, die Holländer sind gar nicht erst an der EM dabei. Eigentlich schade um die Oranjes: 2008 bevölkerten orange Stosstrupps schon morgens die Suteria, um sich nicht nur mit Kafi und Gipfeli auf den nächsten siegbringenden Tag einzustimmen. Obs Dächer am Märet-Fescht braucht, ist noch ungewiss. Aber vielleicht taucht dann die Stadt in Rot-Weiss ein. Als Gruppenzweiter würden wir Samstags um 15 Uhr spielen. Wobei das Märet-Fescht gar kein gutes Pflaster für fussballerische Grosstaten ist. 1994 schied die Nati im Achtelfinal gegen Spanien aus. Gleiches begab sich 2010 mit dem mickrigen 0:0 gegen Honduras. Weiss jemand, wo das liegt?

Einen Dachschaden hat, wer derzeit keinen Regen für seinen Alltag einplant. So wird ein Stadtbummel ohne Schirm zur strategischen Planung: Wo gehts am besten unter vorkragenden Dächern lang, um halbwegs trocken zu bleiben? Wir haben ja keine gäbigen Lauben wie die Berner. Himmeltraurig in dieser Beziehung: die Jesuitenkirche. Die barocken Steinkranzsimse sind zwar restauriert, bieten aber kaum Schutz vor Petri Ungunst. Im Gegenteil: Darunter steht man in einer gefühlten Tropfsteinhölle. Das haben die Jesuiten so gewollt: Wir sollen nicht vor der Kirche durch-, sondern gleich reingehen.

Auch mit Dach an alles gedacht wird bei «So geht Fussball» in der Reithalle. Beginnt der Fussballabend wie bei Schweiz - Rumänien halbwegs schön und für exakt 3:35 Minuten trocken, ehe ein Platsch-Rägeli alles in die Flucht treibt – dann, ja dann verteilt Co-Organisator Markus «Kusi» Wälti flugs Pelerinen, und alles bleibt im lauschigen «Jardin de Victoire». Dass die Pelerinen gratis sind, ist nicht selbstverständlich. Doch Wälti kann es sich leisten: Er hatte einst 8000 so Plastik-Dinger an Lager – die gingen nicht einmal am Fasnachtsumzug weg.

Das Dach der Dächer hat derzeit am Dornacherplatz der andere EM-Tempel Beachstyle. So gibts dort auch kein Pelerinenproblem, kurz PP. Vor x Jahren fragte mich der damalige Leiter Stadtbauamt in einem Smalltalk: «Wie soll der künftige Dornacherplatz aussehen?» Meine Antwort: «Ein Dach müsste er haben.» Es gab keins. Im Gegenteil: Der Gemeinderat strich noch eine halbe Million für die Umgestaltung. So finden halt Flohmärkte oder das Street-Food-Festival unter der Westumfahrungsbrücke statt. Und wir Solothurner hüten unseren seit 2005 angehäuften Zig-Millionenschatz wie Yann Sommer unseren Kasten – nur noch erfolgreicher.