Umweltsünden
Wir, die Altlast von morgen

Es wird Dutzende Millionen Franken kosten, die Altlasten, die im Solothurner Boden sind, zu sanieren.

Urs Mathys
Urs Mathys
Merken
Drucken
Teilen
Altlastenarbeiten bei der ehemaligen Tubenfabrik auf dem Scintilla-Areal

Altlastenarbeiten bei der ehemaligen Tubenfabrik auf dem Scintilla-Areal

Hansjörg Sahli

Altlasten – der Name sagts – sind nicht erst heute entstanden. Sie sind die Überbleibsel des Tuns und Lassens unserer Väter. Ahnungslos hinterlassen, weil sie es damals nicht besser wussten. Oder wider besseres Wissen, weil man hochgiftige Lösungsmittel einfach versickern liess, Galvanikschlämme irgendwo verscharrte und in öffentlichen Deponien ablagerte. Oder gar finanziell berechnend verursacht, weil sich mit dem «Verschwindenlassen» problematischer Stoffe gar gutes Geld verdienen liess.

Der kantonale Altlastenkataster benennt die (bekannten) Standorte. Deren Verursacher sind nur allzu oft längst nicht mehr greifbar. Spätestens dann stellt sich die Frage: «Wer bezahlt?» Viele Betroffene erleben da ihr blaues Wunder: Wie die Bewohner des Derendinger «Elsässli»-Quartiers. Dort, und jüngst auch in weit grösseren Fällen, hat letztlich das Bundesgericht über die Kostenübernahme entscheiden müssen. Urteile, die künftig in Dutzenden Fällen als Massstab dienen werden, denn der Kataster weist noch viele Standorte aus, deren Sanierung in die Millionen gehen wird.

Was lernen wir daraus? Dass die Verantwortlichen in die Pflicht genommen werden müssen, solange sie greifbar sind – wenn nicht am Ende die Allgemeinheit für Sanierungen aufkommen soll. Oder dass wir «Heutigen» alles unterlassen sollten, was künftigen Generationen dereinst als Altlast zur Last fallen könnte. Schneller gesagt als getan. Gut möglich, dass man sich schon in naher Zukunft fassungslos fragt, wie man «damals» dieses oder jenes so gedankenlos produzieren, anwenden und konsumieren konnte. Wer weiss, ob Nanopartikel, die Winzlinge, die auch in Lebensmitteln wie Kaugummi und Instantsuppen enthalten sind, sich nicht bald als eines jener Probleme entpuppen, das wir uns eingebrockt haben – und das uns selber zur wandelnden Altlast macht.

urs.mathys@azmedien.ch