Vorhersage
Wettereo-logisch

Wetterschmöcker wittern, was sie wollen. Meteorologen vertrauen Daten. Wir am besten niemandem.

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Wenns regnet, fällt das Grillieren ins Wasser.

Wenns regnet, fällt das Grillieren ins Wasser.

KEYSTONE/AP Underwriters Laboratories/Jonathan Cohon

Es braucht schon Nerven, in Zeiten wie diesen am Mittwochabend,
22. Juni, eine Grillparty anzusagen. Und 30 Leute acht Tage vorher einzuladen. Nun, es hat geklappt. Nicht selbstverständlich. Noch auf Dienstag mussten viele Lehrkräfte ihre Pläne revidieren. Die Prognosen waren gut gewesen. Erst ab Sonntag wurden sie zusehends schlechter. Und so fand manches Schulreisli zwei Tage später statt. Leider enthält der Begriff «meteorologisch» das Wort «logisch» eher zu Unrecht. Oft sind die Meteorologen jene, die «logen». Kleines Beispiel: Am Karfreitag, 21. März 2008, hiess es morgens «im Mittelland Regen, Schneefallgrenze auf 1000 Metern». Abends lagen in Solothurn auf 452 M. ü. M. satte 20 cm Neuschnee. Oder die Jahrhundertfehlprognose vom 26. Dezember 1999: Noch ganz kurz vor seiner Ankunft hatte niemand den Orkan Lothar in dieser Macht auf seinem Radar gehabt.

Wenn die Kachelmänner, Wetterfeen und Buchelis schon auf die kurze Distanz irren, dann gilt das für all die Wetterschmöcker vom Hubel oder Muotathal umso mehr. Klar, Tiere wie die Zugvögel können Witterungstrends liefern. Aber ansonsten ist der Siebenjahres-Turnus eines Abts im 17. Jahrhundert etwa so viel wert wie Bauernregeln oder der 100-jährige Kalender: nahezu nichts. Doch dürstet der Mensch nach Wissen im Voraus. Und erntet Unsicherheit. Der Blick in die Kristallkugel, das Liebeshoroskop, das Unken von Madame Etoile, Krake Paul mit seinen WM-Tipps – dagegen wirkt Sandra Boner wie die Zuverlässigkeit in Person. Heute ist Brexit-Day. Viele Börsianer hätten alles gegeben, um aus Ameisenhaufen das Ergebnis herauszulesen. Warum versuchen wir es dann beim Wetter?

wolfgang.wagmann@azmedien.ch