Persönlich
Wenn das Amt arbeitet…

Lucien Fluri
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Das kantonale Ausweiszentrum in Solothurn. Kabinen in welchen die Fotos gemacht werden und die Fingerabdrücke genommen werden.

Das kantonale Ausweiszentrum in Solothurn. Kabinen in welchen die Fotos gemacht werden und die Fingerabdrücke genommen werden.

Manuela Jäggi

Ja, wenn das Amt arbeitet: Da denken Sie gleich wieder an eine Schauergeschichte über Bürokratie, Amtsschimmel und lange Wartezeiten. Ich habe das erlebt. In Berlin wartet nicht nur ein Flughafen auf seine Fertigstellung. Wer einen Termin auf gewissen Verwaltungsstellen will, muss sich Wochen im Voraus anmelden. Als ich einmal in Addis Abeba mein Visum verlängern wollte, schickte mich der äthiopische Staat von Büro zu Büro zu Büro. Am Ende war ich fast beim Minister. Danach ging das Rösslispiel umgekehrt: zurück von Büro zu Büro zu Büro. Ich musste nach Djibouti ausreisen, um ein neues Visum zu beantragen.

Warum ich vom Ausland erzähle? An die Schauergeschichten hat mich mein Pass erinnert. Ich brauche einen neuen und musste zu den Solothurner Behörden. Ausweiszentrum heisst das.

Und so ging das in der Solothurner Amtsstube: Vorgestern Mittwoch habe ich gegen 20 Uhr das Online-Formular für den neuen Pass ausgefüllt. Gestern Donnerstagmorgen um 7.33 Uhr war der Link für die Online-Terminvereinbarung bereits in meinem Postfach. 8 Uhr: Kurzfristig im Internet den Termin für 8.30 Uhr gebucht, das Ausweiszentrum liegt ja gerade auf meinem Arbeitsweg. Ich war etwas früher da. Um 8.31 Uhr verliess ich das Gebäude am Solothurner Hauptbahnhof. Alle meine Daten waren erhoben, ich war von einer aufgestellten Mitarbeiterin fotografiert worden, hatte meine Fingerabdrücke gegeben und bezahlt. Ein Pass, quasi über Nacht.

Wenn die so schnell arbeiten, fand mein Kollege, müssten sie froh sein, dass ich wegreisen wolle. Ich jedenfalls habe gestaunt. Ja, wenn das Amt arbeitet, dann kann auch mal ein positiv beeindruckter Bürger zurückbleiben.

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