Bussen für Berufsschüler
Was bringts?

Solothurner Berufsschulen erteilen Lernenden Bussen für unentschuldigte Absenzen.

Noëlle Karpf
Noëlle Karpf
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An der Berufsschule Solothurn-Grenchen kamen 52'000 Franken an Bussen zusammen. In Olten 119'000 Franken.

An der Berufsschule Solothurn-Grenchen kamen 52'000 Franken an Bussen zusammen. In Olten 119'000 Franken.

Solothurner Zeitung

Ben hasst Mathematik. In seinem ganzen Leben wird er die Formeln, die er in der Berufsschule lernt, bestimmt nie mehr brauchen! Und sein Lehrer ist ein Trottel. Daher schwänzt Ben ab und zu. Dafür bestraft ihn der Rektor mit einer Busse. Das soll den Lernenden in die Schranken weisen. Und mit dem Geld kann die Schule erst noch die nächste Lehrabschlussfeier finanzieren.

Was bewirkt die Busse noch? Bewegt sie Ben zum Nachdenken? Kann sie ihm klarmachen, wieso die Schule wichtig ist? Über die Busse wird sich der Lernende wahrscheinlich schon Gedanken machen, muss er dafür doch einen Teil seines Lohns abgeben. Einen höheren Sinn in der Mathematik findet er dadurch aber nicht. Und die Abneigung gegenüber dem Lehrer dürfte zusätzlich steigen. Schliesslich hat der dem Rektor von den Absenzen erzählt und trägt die Schuld für die finanziellen Folgen.

Nicht jeder Lernende mag wie Ben ticken. Aber im vergangenen Jahr nahmen immerhin so viele Jugendliche Bussen in Kauf, dass die Solothurner Berufsschulen 171 000 Franken einkassierten. Einige Schüler schwänzten vielleicht nur einen Tag, um früher in den Urlaub zu fahren. Andere konnten es sich vielleicht leisten, mehrmals langweilige Stunden auszulassen.

Klar ist: Die Geldstrafe konnte längst nicht alle abschrecken. Die Schulen verdienten aber gut daran. Dann gibt es noch Sara und Tom, Schulkollegen von Ben. Der Vater von Sara zahlt seiner Tochter jede Busse. Die Geldstrafe lässt sie absolut kalt. Und Tom kriegt von seiner Mutter für jede Absenz eine Unterschrift. Ihm sind die Bussen sowieso herzlich egal.

sz-praktikum@azmedien.ch