Fusion Top 2
War absehbar: Der Berg hat nicht einmal eine Maus geboren

Aus der Fusion von Solothurn und Zuchwil wird nichts.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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«Was lernen wir daraus für die Zukunft: Gemeindefusionen haben es grundsätzlich schwer. Kaum fassbare, überdimensionierte und nebulös wirkende Megaprojekte sind chancenlos.»

«Was lernen wir daraus für die Zukunft: Gemeindefusionen haben es grundsätzlich schwer. Kaum fassbare, überdimensionierte und nebulös wirkende Megaprojekte sind chancenlos.»

Hanspeter Baertschi

Die obigen Zeilen stehen seit vergangenem Freitagnachmittag als Arbeitstitel in diesem Kommentargefäss. Damals wurden Seitenumfang und Inhalt der heutigen, politlastigen Ausgabe vorbereitet. Die Schlagzeile entsprach lediglich einem Bauchgefühl. Mehr nicht. Eine solide Prognose, was die beiden Fusionsabstimmungen in Zuchwil und Solothurn ergeben würden, war denn auch ausgesprochen schwierig.

Ein Stadtsolothurner Neo-Kantonsrat sagte noch vergangene Woche: «Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie es herauskommt», derweil ein Bewohner der Weststadt betonte, er kenne in seinem Umfeld schlichtweg keine Befürworter. Ein Zuchwiler «Ureinwohner» wiederum machte klar, dass er und seinesgleichen die Fusion ablehnten. Anders in der Polit- und Wirtschaftswelt der Stadt, dort waren doch etliche positive Stimmen zu hören. Bemerkenswert dagegen ein Beobachter von ausserhalb:

Der nach wie vor gut vernetzte Ex-Kantonsrat liess sich mit dem Satz «diese Fusion wird von beiden Seiten hochkant abgelehnt» weit auf die Äste hinaus. Hätte er dort gesessen, wäre er abgestürzt. Keine Rede von hochkant: In Zuchwil machte die Differenz lediglich 83 Stimmen aus, in Solothurn immerhin 505.

Alles in allem ein überraschend knappes Resultat. Besonders, wenn man den dramatischen Erodierungsprozess der ursprünglich angedachten Grossfusion betrachtet. Sie, die, abschliessend betrachtet, mit Sicherheit nicht als Glanzstück in die Geschichte eingehen wird: Konzeption, Strategie und Vermarktung mochten in keiner Phase zu überzeugen. «Top wie viel auch immer» mottete lediglich dahin. Nichts von Feuer und Flamme.

Was lernen wir daraus für die Zukunft: Gemeindefusionen haben es grundsätzlich schwer. Kaum fassbare, überdimensionierte und nebulös wirkende Megaprojekte sind chancenlos. Je konkreter und vor allem nachvollziehbarer Zweierfusionen sind, desto eher lassen sich Bürgerinnen und Bürger darauf ein.

Und jetzt? Arbeit und Geld wurden nicht einfach in den Sand gesetzt. Das gestern verabschiedete Projekt war eine Investition in die Zukunft. Gedanklich und emotional haben sich viele Bewohner der Zentrumsgemeinde, aber auch der umliegenden Kommunen, erstmals intensiver mit einem Zusammengehen befasst.

Dabei sind die Knackpunkte deutlich sichtbar geworden. Das war Lehrgeld für künftige Anläufe. Die wird es unweigerlich geben (müssen).