Regierungsratswahlen 2017
Wahl in den Regierungsrat

Gastkommentar über die schwierige Suche nach charismatischen Regierungsratskandidaten

Kurt Boner
Kurt Boner
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Wer wird 2017 wohl in den Regierungsrat gewählt? Die Suche nach einem charismatischen Regierungsratskandidaten kann schwierig sein.

Wer wird 2017 wohl in den Regierungsrat gewählt? Die Suche nach einem charismatischen Regierungsratskandidaten kann schwierig sein.

Oliver Menge

Die Ausgangslage ist klar: Der Kanton Solothurn hat Strukturprobleme, die sich nicht von selber lösen. Im März 2017 sind Regierungsratswahlen.
Sind fähige Führungspersönlichkeiten auf dem Ticket, welche die künftigen Herausforderungen stemmen können?

Für eine «staatstragende» Partei im Kanton Solothurn kann es nichts Wichtigeres als die Vertretung im Regierungsrat geben. Die Strahlkraft und Kompetenz dieser Persönlichkeit ist für die Positionierung der Mutterpartei von zentraler Bedeutung. Wie werden bis anhin die Leader des Kantons Solothurn gesucht?

Die Parteien nominieren in mehr oder weniger transparenten Auswahlverfahren, die ab und zu schon mal willkürlichen oder zufälligen Charakter haben können, ihre Kandidatinnen und Kandidaten (s isch immer e so gsi).

Den Neuen kommt da besondere Aufmerksamkeit zu, gelten die Bisherigen doch mehr oder weniger als gewählt. Die seinerzeitige Abwahl von Roberto Zanetti ist eine Ausnahme dieser Regel, durch eine spezielle Konstellation zu erklären.

Wäre ein neuer Modus nicht zielführender? Die Parteien gehen in sich, um Szenarien zu diskutieren, wie sich der Kanton Solothurn in den nächsten 10 bis 15 Jahren entwickeln soll, wo Schwerpunkte zu setzen sind, und entwickeln prozesshaft Visionen. Daraus werden konkret zu erreichende Ziele extrahiert. Diese Ziele dienen dann als Grundlage für das Stellenprofil «Führungspersönlichkeit Regierungsrat».

Was müssen diese Persönlichkeiten sowieso mitbringen? Charisma ist Bedingung. Ziele können nur erfolgreich anvisiert werden, wenn er oder sie die Visionen mit Leidenschaft vertreten kann. Die Bürger haben ein feines Gespür dafür, inwieweit die Botschaft authentisch und glaubhaft rüberkommt.

Charismatische Persönlichkeiten haben es da wohl auch einfacher. Sie sind in der Regel zielorientierter und hinterfragen sich und andere nicht ständig. Sie verfügen auch über den im politischen Alltag enorm wichtigen politischen Instinkt.
Es ja noch nicht so lange her, dass Rolf Ritschard Regierungsrat war. Bei ihm war alles natürlich vorhanden, nichts musste künstlich zugesetzt werden. Charisma pur. Seine Ausstrahlung wirkte, mit und ohne Worte.

Den Führungskompetenzen ist Beachtung zu schenken. Unser Kanton mit seinen gut 250 000 Einwohnerinnen (die Hälfte der Stadt Zürich) darf es sich nicht leisten, die oberste Führungsebene mit Parteisoldaten und Durchdienern zu besetzen.

Wer ein grosses Departement führt, darf sich nicht durch die mit allen Verwaltungswassern gewaschenen Amtschefs führen lassen. Im Alltag wirken dann solche Regierungsräte vor allem repräsentierend, ohne inhaltliche Zeichen setzen zu können. Auch das kann man allerdings besser oder schlechter machen.

Spass beiseite, wie soll jemand ohne ausgewiesene Führungskompetenzen ein Departement führen? Keine Berufsgattung bekommt diese Kompetenzen natürlicherweise einfach so mit auf den Weg. Juristen nicht und Lehrer sicher auch nicht.

Führungserfahrung ist also mitzubringen, in der Praxis erprobt. Im März sind Wahlen. Ist es zu spät, über die Bücher zu gehen?

Der Autor ist Leiter Soziale Dienste Oberer Leberberg in Grenchen.