Persönlich
Von bisher zu bislang

Andreas Toggweiler
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Die Bemerkung des Autors: «Lockdown» hiesst Ausgangssperre, was die falsche Bezeichnung für die Schweiz sei.

Die Bemerkung des Autors: «Lockdown» hiesst Ausgangssperre, was die falsche Bezeichnung für die Schweiz sei.

zvg

Irgend einmal in den letzten Jahren muss es passiert sein. Längst nicht so plötzlich und heftig wie beim «Lockdown», an dem wir angeblich alle leiden. Das heisst übrigens Ausgangssperre und ist somit für die Verwendung in der Schweiz falsch. Aber das nur nebenbei. Was macht man nicht alles mit Wörtern, um es annähernd etwas dramatisch tönen zu lassen.

Eigentlich rede ich vom Wörtlein «bislang», das still und leise das bisher (d. h. bislang?) im Schweizer Journalismus verwendete Wort «bisher» abgelöst hat. Eigentlich nichts Dramatisches und etwas, das wohl kaum jemandem auffällt. «Bisher ist nichts bekannt zu ...», schrieben wir früher. Heute, wo alles schnell und online ist, ist daraus «bislang» geworden. Bis wie lange dauert die Coronakrise? - Bislang ist das nicht bekannt. «Bislang» hat irgendwie etwas vom ungeduldigen Warten in sich. Absolut passend, zur heutigen Zeit. Während «bisher» einfach feststellt.

Ich habe mich bisher noch nicht ganz an das irgendwie gestelzt teutonisch klingende «bislang» gewöhnt. Ich bin aber auf eines gespannt: Ob es bei den bisherigen Kandidaten auf den Wahllisten nächstes Jahr schon heissen wird: Kurt Meier (bislang). Kleiner Vorschlag zur Güte: Man könnte ja den Begriff für Sesselkleber reservieren.

andreas.toggweiler@chmedia.ch

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