Kommentar
Verdienter Lohn, für alle beide

Andreas Toggweiler
Andreas Toggweiler
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François Scheidegger (rechts) wird seinen Sessel nicht für Elias Meier räumen müssen.

François Scheidegger (rechts) wird seinen Sessel nicht für Elias Meier räumen müssen.

Hansjörg Sahli

Erwartungsgemäss ist Amtsinhaber François Scheidegger gestern als Stadtpräsident wiedergewählt worden. Er kann das Resultat als Unterstützung eines neuen Politstils in Grenchen abbuchen, der auf Dialog statt Konfrontation setzt. Scheidegger ist es gelungen, die doch manchmal sehr hoch gehenden Wellen im politischen Tagesgeschäft der Stadt zu glätten.

Trotzdem hat er in seiner ersten Amtszeit auch einige heisse Eisen angepackt, beispielsweise Reorganisationen auf der Baudirektion und im Stadthaus. Das Wahlresultat ist ein Zeichen dafür, dass dieser Kurs goutiert wird, aber auch Verpflichtung, die Fairness der Mehrheit gegenüber der Minderheit aufrecht zu erhalten.

Dafür, dass beim Wahlgeschäft nicht gleich politische Flaute herrschte, hat diesmal ein parteiloser Herausforderer gesorgt, auf dem viele Augen ruhten. Elias Meier, der Präsident der Windparkgegner, hat die Stapi-Wahl für die Propagierung seiner Anliegen genutzt. Das Resultat ist zwiespältig. Denn es kann effektiv als Popularitätstests des Windpark-Widerstands gelesen werden.

Dieser ist mit 551 Stimmen auf 9659 Stimmberechtigte eher bescheiden. Zumindest etwas mehr Mobilisierungseffekt hinsichtlich Stimmbeteiligung hätte man von der ins Plebiszit hineinprojizierten Sachfrage erwarten können. Am Ende bleibt (wie meistens) die Frage im Raum: Sind die drei Viertel Abwesenden mit dem vorherrschenden Kurs eher zufrieden oder nicht. Mobilisierung wegen Unzufriedenheit sähe jedenfalls anders aus.

Dennoch ist Meiers Resultat ein Achtungserfolg für einen jungen, engagierten Aktivisten ohne Rückendeckung einer Partei. Man wird von ihm noch einiges hören, wenn er wie angekündigt sein Portfolio ausbaut. Hätte Meier vor zwei Jahren eine Partei gegründet, wäre er wohl jetzt Gemeinderat. Doch was nicht ist, kann noch werden. Meiers Aktivitäten sind auch immer wieder Weckrufe ans politische Establishment, sich nicht zu bequem einzurichten.

andreas.toggweiler@azmedien.ch