Kommentar
Unverständlich

Jetzt wird das Catering im Asylzentrum Fridau gestoppt.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Das waren noch Zeiten, als oben kaltschnäuzig befohlen und unten blind gekuscht wurde. Heute zwingt der Druck von der Strasse selbst im Kanton Solothurn die Amtsstuben in die Knie. Multipliziert wird Vox Populi längst mittels gnadenlosen Sprüchen auf Onlineplattformen, den allgegenwärtigen sozialen Medien und von Fall zu Fall im gedruckten Boulevard. So könnte es sehen, wer die Entwicklung in Sachen Verpflegung im neu eröffneten Asylzentrum Fridau ob Egerkingen aus Distanz betrachtet. Gehen wir etwas näher ran. Dass die vorhandene tolle Küche vor Ort unangetastet bleibt und stattdessen die Mahlzeiten aus dem dreissig Kilometer entfernten Solothurn herangekarrt werden, stösst auf völliges Unverständnis, zumal die Asylsuchenden hotelmässig bedient werden und für ihre Nahrung keinen Finger krümmen müssen. Darüber kann man tatsächlich diskutieren. Aber bitte mit dem angebrachten Anstand.

Nun wird bekannt, dass das Catering gestoppt werden soll. Selbstverpflegung sei künftig angesagt. Eine defensive, auf Geschehnisse lediglich reagierende Informationspolitik kann in derart sensiblen Bereichen beim besten Willen nicht als zeitgemäss bezeichnet werden. Wenn Medien in einer umstrittenen Asylunterkunft Ausschau halten, wird der Full Service zwangsläufig zum Thema. Dem hätte man ganz einfach Rechnung tragen müssen. Wenn bereits das Konzept vorsah, nach der Anfangsphase vom Hotelbetrieb abzuweichen, wäre eine proaktive Information zwingend gewesen. Spätestens, als die Wellen hochgingen. Das hätte das Ausmass der Gehässigkeiten in Grenzen gehalten.

Ein nachlässiges Versäumnis? Wenn nein, muss man es als weltfremd bezeichnen.

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