Kapuzinerkloster
Ungeschickter Schachzug

Der Kanton hat ein neues Baugesuch eingereicht, das im Kapuzinerkloster Solothurn «moderat» mehr Möglichkeiten für die Durchführung von Anlässen eröffnen soll.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Welche Anlässe im Kapuzinerkloster Solothurn stattfinden dürfen, soll neu geregelt werden.

Welche Anlässe im Kapuzinerkloster Solothurn stattfinden dürfen, soll neu geregelt werden.

Micha L. Rieser

Klöster entvölkern sich nicht bloss in Solothurn. Was dann? In Spanien, zum Beispiel, springt schon mal der Staat ein und nutzt die leerstehenden Gebäude touristisch als attraktive Herbergen. Das funktioniert. Nach den finanziellen Defiziten fragt dort allerdings niemand.

Das Solothurner Kapuzinerkloster sorgt da schon für weit mehr Aufregung. Dies seit Jahren. So bei den Anwohnern, wenn nach den geräuschlosen Mönchen möglicherweise Gottlose lautstark ihr rücksichtsloses Unwesen treiben könnten. Hektik auch bei Eventorganisatoren, die ein gutes Geschäft im stilvollen Gemäuer wittern. Und schliesslich blanke Nerven beim kantonalen Hochbauamt, wenn Fragen zu Gegenwart respektive Zukunft des Klosters gestellt werden.

Das polarisierende Objekt strahlt Würde aus: Hohe Mauern, altehrwürdige Pforten aus Holz, ein moosbewachsenes Kirchendach, inspirierende Wandelgänge, eine lauschige Gartenanlage – der Kanton verfügt mit dem Kapuzinerkloster über eine Liegenschaft, die ihm eigentlich aus den Händen gerissen werden sollte. An Interessenten mangelt es nicht. Doch entweder verfügen diese nicht über das nötige Kleingeld oder, wenn sie es haben, sehen sie rasch, dass es Investitionen mit weit weniger Unbekannten gibt. So sitzt denn der Kanton auf unliebsamen Kosten, die er noch so gerne loshaben würde.

Zumindest dieses Bestreben teilt er mit allen Steuerzahlern im Kanton. Eine glückliche Hand scheint er jedoch bei seinen Bemühungen in dieser Sache nicht zu haben. Anwohner sprechen vielmehr von Schlaumeiereien, Täuschungsmanövern, Intransparenz und einer unverfrorenen Herr-im-Haus-Politik. Da ist die postwendende Quittung in Form von Einsprachen programmiert. Zu hoffen ist, dass noch nicht sämtliches Geschirr zerschlagen ist. Der Zukunft des Kapuzinerklosters zuliebe. Nach der Frohbotschaft Ansiedlung Biogen gabs haufenweise Lorbeeren für das Hochbauamt. Das verpflichtet: Beweist euch erneut und löst diesen klösterlichen gordischen Knoten endlich.

theodor.eckert@azmedien.ch