Kommentar
Torschlusspanik beim grossen Wurf

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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Das räumliche Leitbild ist ein grosser Schritt für Solothurn.

Das räumliche Leitbild ist ein grosser Schritt für Solothurn.

Simon Dietiker

Das räumliche Leitbild der Stadt Solothurn ist ein grosser Wurf. Einer, der nach planerischen Geburtswehen nun in der Endfassung vorliegt und die weitere Ortsplanungsrevision vorspurt. Doch am Dienstagabend herrschte im Gemeinderatssaal plötzlich Torschlusspanik: Das Elaborat lag nach Meinung einiger Gemeinderäte noch zu unausgegoren auf dem Tisch. Theres Wyss von der SVP bezeichnete es als «Katastrophe», das Geschäft halbbatzig durchzuwinken – nur, weil sich die Mägen bereits auf das geplante Abschlussessen für den altgedienten Gemeinderat eingestellt hatten. Gegenüber sass SP-Frau Franziska Roth mit dem letztlich unterlegenen Ordnungsantrag, das Geschäft abzubrechen und zu einem späteren Zeitpunkt in Ruhe mit allen inhaltlichen und sprachkosmetischen Begehrlichkeiten weiter zu beraten.

Wie gesagt: Das räumliche Leitbild ist ein grosser Wurf, der nicht erst am Dienstag gezeugt wurde. Noch im Frühjahr hatte die Stadt zur Mitwirkung eingeladen – online und «offline». Und diese wurde genutzt: von Einwohnern, vom Kanton, von Nachbargemeinden und von politischen Parteien. Hätte man sich also das «Ghetz» in letzter Minute so nicht ersparen können?

Noch einmal: Das räumliche Leitbild ist ein grosser Wurf. Aber einer, der Solothurn aus der Vogelperspektive sieht und nicht in Stein gemeisselt ist. Ebenso wenig ist sein Inhalt behördenverbindlich. Aus der aktuellen Flughöhe von gefühlten 5000 Metern – hier befindet sich die Ortsplanungsrevision zurzeit – plant man nun mal keine Veloständer und Blumentöpfe – noch nicht.

andreas.kaufmann@azmedien.ch