Wochenkommentar
Top 5 ist nicht Top Gun – für einen Durchstart ist es zu spät

...zu einer längeren Piste, die vom Tisch ist, und einer Fusion, der das gleiche Schicksal droht.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Diese Woche wurde die Auswertung zur Vernemlassung des Fuisonsvertrages Top 5 publik. (Symbolbild)

Diese Woche wurde die Auswertung zur Vernemlassung des Fuisonsvertrages Top 5 publik. (Symbolbild)

Hanspeter Baertschi

Die Grossfusion Solothurn mit insgesamt sieben Gemeinden ist nicht zustande gekommen. Jetzt versuchen es noch deren fünf.

Sollten Ostern und Weihnachten für einmal zusammenfallen, schaffen es letztlich vielleicht zwei. Doch die Stimmung der Bevölkerung beim Leader Solothurn deutet nicht einmal darauf hin.

Im Nachbarkanton Aargau wurde ebenfalls ein vergleichbarer Kraftakt angedacht: Das Zusammengehen gar von elf Gemeinden zu einer Grossstadt Aarau mit 70 000 Einwohnenden.

Gross-Solothurn wäre bekanntlich etwas kleiner ausgefallen. Doch die Aargauer haben sich gar nicht erst auf die Äste hinausgelassen. Man ist nun zum Schluss gekommen, dass dieses Projekt null reale Chancen hat, umgesetzt zu werden.

Eine am Freitag bekannt gewordene Studie von Fachleuten empfiehlt den Gemeinden vielmehr die Schaffung einer Regionalkonferenz. Damit soll zumindest eine engere Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg möglich werden (an eine solche Konferenz können zum Beispiel Aufgaben wie Raum- und Siedlungsplanung, Wirtschaft, Verkehr, Umwelt und Soziales delegiert werden).

Auffällig und nicht minder interessant die Argumentation, die bei der Negativempfehlung heraussticht: Bei der Fusion würden die Interessen einzelner Gemeinden zu wenig berücksichtigt. Der Spielraum für individuelle Lösungen sei zu eng.

Exakt diese Punkte werden in den verbliebenen, seit Monaten beübten Gemeinden Zuchwil, Biberist, Derendingen und Luterbach mit schöner Regelmässigkeit moniert – sofern sich dort überhaupt jemand vernehmen lässt.

Doch damit nicht genug: Diese Woche wurde die Auswertung der Vernehmlassung publik. Die überaus sensiblen und damit strittigen Punkte wie Steuer- und Personalfragen polarisieren eh schon genug und zusammen mit den jetzt bekannt gegebenen Anpassungen des Fusionsvertrags lässt sich unschwer erahnen, wie hoch die Hürden für die Vorlage an den jeweiligen Gemeindeversammlungen im kommenden Dezember sein werden.

Investition in die Zukunft

Nein, es geht jetzt nicht darum, das Projekt vorzeitig zu beerdigen. Im Gegenteil: Selbst wenn die unmittelbaren Erfolgsaussichten gering sind, wäre zu wünschen, dass sich doch noch möglichst viele Bürgerinnen und Bürger mit dem Anliegen befassen würden.

Wir sprechen hier von einer Idee, die in den Köpfen über einen längeren Zeitpunkt reifen und schliesslich auch im Bauch ankommen muss. Für die ganz grossen Würfe reicht eine Generation in unserem Land meist nicht.

So gesehen ist Top5 zweifellos eine solide Investition in die Zukunft. Wenn es in einem weiteren Schritt auch noch gelingt, die richtigen Zugpferde einzuspannen – Integrationsfiguren mit Motivations- und Verkaufsqualitäten –, werden die Chancen für ein Zusammengehen deutlich besser aussehen.

Investition gestoppt

Apropos Investition in die Zukunft: Über die Kosten für 400 Meter Pistenbau Richtung Osten muss respektive darf sich der Flughafen Grenchen kurzfristig keine Gedanken mehr machen. Höchstens über anvisierte Einnahmen, die angesichts der überraschenden Verzichtsempfehlung der Solothurner Regierung nun wegfallen.

Der Salto rückwärts am vergangenen Dienstag im Rathaus dürfte flammende Anhänger und verbissene Gegner der Pistenverlängerung Richtung Witi-Schutzzone auf dem falschen Fuss erwischt haben.

Zwar löste das regierungsrätliche Votum kurzfristig hier Jubel und dort Frustration aus, doch nach dem hochemotionalen Schlagabtausch der vergangenen Monate scheinen die Worte aus Solothurn wie Baldrian zu wirken.

Das war auch nötig: Wenn es wirtschaftliche Interessen gegen Anliegen von Mensch und Natur abzuwägen gilt, geben vor einem Entscheid gerne die Hitzköpfe den Ton an.

Die Gemüter auf beiden Seiten haben sich sichtlich beruhigt, bis auf eine hypermilitante, vom Erfolg angestachelte Stimme, die doch tatsächlich als neues Ziel die völlige Schliessung des Flughafens proklamiert hat. Guten Flug Richtung Mond, werden sich die Aviatiker der Uhrenstadt dabei gedacht haben.

Und jetzt? Bei der Pistenverlängerung ging es um die Geschäftsfliegerei, doch nerven tun auch schon mal die knatternden Privatflieger. Kommt hinzu, dass bodennahe Fluggeräte im Bereich der stark befahrenen Kantonsstrasse schon manchen Autofahrer nervös gemacht haben sollen.

Mit andern Worten: Der Regionalflughafen am Jurasüdfuss stellt keine für alle Zeiten unverrückbare Grösse dar. Besten Anschauungsunterricht lieferte die jüngste Debatte. Weitere werden mit Bestimmtheit folgen.

@ theodor.eckert@azmedien.ch

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