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Stimmung am Festival: Den Bach runter

Beim Kaffeetrinken in einer Wirtschaft betrachte ich ein grosses Inserat zum Festival St. Peter at Sunset, das Anfang Juli in Kestenholz über die Bühne gehen wird.

Alois Winiger
Alois Winiger
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Die St.-Peters-Kapelle. (Archiv)

Die St.-Peters-Kapelle. (Archiv)

Solothurner Zeitung

Mein Blick muss dabei Bände gesprochen haben, denn mein Bekannter, der ebenfalls am Tisch sitzt, sagt: «Da staunst Du, gell. Die bringen es fertig, Stars wie Lionel Richie, Stephan Eicher und Gianna Nannini ins Gäu zu holen. Weisst Du schon, an welches Konzert Du gehst?» Ich zögere einen Moment und sage dann: «An gar keines.»

Mein Bekannter macht grosse Augen. «Aber wieso denn nicht? Solche Top Acts treten nicht alle Tage praktisch vor der Haustüre auf.» Und dann die Stimmung bei der St.-Peters-Kapelle, die sei doch wirklich einmalig schön. «Ja, ich kenne sie gut aus meiner Jugendzeit, die ist wirklich ganz besonders», bestätige ich. «Aber die Kapelle hat ja nur noch eine Nebenrolle. Nach meinem Empfinden wird sie zu sehr dominiert von der riesigen Bühne und von den Festzelten.»

Diese Atmosphäre, «die ist für mich längst den Sanktpeterbach runtergegangen». Das sei bei der ersten Auflage noch anders gewesen, sage ich. «Da spielten die Irrwische direkt vor der Kapelle unter dem Vordach.» Mein Bekannter kommt ins Grübeln. «Wie willst Du dort auf den paar Quadratmetern einen Stephan Eicher mit seinem ganzen Equipment platzieren?» – «Ganz einfach», antworte ich, «er soll alleine mit der Gitarre auftreten.» – «Und wo sollen dann die Leute verpflegt werden?» – «Meinetwegen sollen sie etwas im Rucksack mitnehmen.»

Mein Bekannter gibt auf. Er zahlt seinen Kaffee und will gehen, dreht sich aber nochmals um und sagt zu mir: «Was ich nicht ganz begreife: Ich kenne Dich als Musikliebhaber, packst aber eine solche Gelegenheit nicht.» Ob mir denn die Acts nicht passen würden? «Doch, doch, den Eicher oder die Nannini würde ich gerne live erleben», sage ich. «Aber wenn das ganze Drum und Dran mehr Gewicht hat als das Konzert, dann verzichte ich.»