Stadtbummel
Stadtgebimmel auf dem Stadtbummel

Mark A. Herzig
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Manche mögens, andere nerven sich an Kirchenglocken und ihrem Geläut. (Archiv)

Manche mögens, andere nerven sich an Kirchenglocken und ihrem Geläut. (Archiv)

Keystone

Heiliger Bimbam! sind wir versucht auszurufen, wenn wir geschriebene und gesprochene Beiträge zur Glockenschlag- respektive -Geläute-Problematik wahrnehmen. Dazu haben wir Solothurner Altstadtbummler auch einiges beizutragen, was wir unserer Leserschaft nicht vorenthalten wollen.

Mit den verwinkelten Gassen und Gässchen und den mehr als elf Kapellen und Kirchen mit ihren Glöcklein und Glocken wird das Ganze unerhört vielfältig. Selten läuten sie alle gleichzeitig, aber alle tun es irgendwann einmal. Selbst als geübter Einheimischer weiss man nicht immer sofort, wer denn jetzt gerade dran ist.

Der Schall wird gebrochen und reflektiert. Als klerikaler Lärmterror wurde das Glockengeläut in den wilden 60-er Jahren in einem Musterprozess in Deutschland inkriminiert. Und schon damals konnte man sich nicht einigen, welches Geläute wann verboten sein solle.

Allzu viel ist ungesund. Selbst wenn der berühmte Aphoristiker Lichtenberg es als «wohl ältestes Sprüchwort» bezeichnet - es hilft uns hier nicht weiter, die Materie ist zu komplex. Auch ein Liebhaber von Glockenklang kann sich schon mal aufregen, wenn die nächsthängende gerade dann, wenn er die Tagesschau verfolgen möchte, loslegt. Und später wieder, wenn er gleiches auf einem andern Sender versucht.

Nächtlicher Radau – die Verursacher nennen das Unterhaltung – stört doch viel mehr als der Schlag der Uhren. Und erst die Schlauköpfe, die mit getunten Auspüffen hochtourig die Gegend beschallen.

Sagt man etwas dagegen, gilt man als veraltet, rückständig, missgünstig, gar jugendfeindlich. Es gibt aber auch Autofahrer, die sich bemühen, die Altstadtbewohner schlafen zu lassen. Sie fahren so gegen vier Uhr zur frühmorgendlichen Anlieferung leise, ja sie schleichen fast, in die Gassen.

Dann aber wird neben der Fahrertür auch eine Schiebetür bis zum knallenden Anschlag aufgerissen, es folgt die Heckklappe. Und alles wieder zu ... Aber das macht nichts, denn um diese Zeit sind ohnehin die letzten grölenden und streitenden Trinkerinnen und Trinker auf dem Heimweg. So viel zum oft berufenen Privileg, in der Altstadt wohnen zu dürfen.

Widersprüche, und sollten es zum Teil nur scheinbare sein, beherrschen also das Tagesgeschäft. Was dem einen sin Uhl, ist dem anderen sin Nachtigall. Das sei ein Sprichwort zu manischen Vorlieben.

Was dem Einen zu laut, ist dem Anderen zu leise. Kommt eben noch dazu, ob man die gerade geläutete Glocke oder gespielte Musik mag oder nicht. Ein Direktvergleich wird derzeit vor dem Baseltor geboten. Mentale Rettung verspricht allenfalls die Flucht in den Ausruf: «Oh du heiliger Bimbam!»