Spricht der Papst bald auf der Bad Klus-Treppe?

Kuno Blaser, Oensingen
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Die Bad Klus-Treppe gegenüber der St. Jost Kapelle.
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Die Bad Klus-Treppe gegenüber der St. Jost Kapelle.

Die Bad Klus-Treppe gegenüber der St. Jost Kapelle.

Bild: Kuno Blaser

»Nichts ist unmöglich!» müsste folgern, wer die bewegte Geschichte des Gasthauses Bad Klus bis in die Gegenwart verfolgt. Die Balsthaler haben ihre schweizweit bekannte «Rössli-Treppe», wir in Oensinger nennen die eindrücklich gestaltete «Bad Klus-Treppe» unser eigen. Eines verbindet die beiden Treppen: Der erhöhte Hauseingang schützte in alten Zeiten die Gaststätten vor dem gefürchteten Hochwasser des Augstbaches in Balsthal und der Dünnern in der Äusseren Klus bei Oensingen.

«Damit ist es nicht getan!», könnte Massimo Santucci, der heutige Wirt des «Bad Klus» sagen. Er pflegt gute Beziehungen zu Papst Franziskus in Rom. In der vom Vatikan und vom Papst persönlich unterstützten Organisation «Associazione Italiana Vitime della violenza» ist Massimo Santucci, der zudem für die CVP im Oensinger Gemeinderat sitzt, verantwortlich für die «Entwicklung von Initiativen und Projekten».

Sollte sich einst der Papst für einen ausgedehnten Besuch in der Schweiz entscheiden, würde es nicht überraschen, richtete seine Heiligkeit auf der Treppe des «Bad Klus» besinnliche Worte an die Oensinger. In seiner bekannt direkten und nicht unpolitischen Ausdrucksweise wäre ihm durchaus zuzumuten, dass er einigen ins Gewissen reden würde. Mit einem solchen Ereignis könnte dann die Bad Klus-Treppe in ihrer Bedeutung gegenüber der Rössli-Treppe wenigstens lokal einiges an Terrain gutmachen, sollte dadurch der irrsinnige Bauboom im Dorf eingedämmt werden.

Reden von hohen Treppen bleiben bekanntlich in der Region nicht ohne Wirkung. Man erinnere sich der Geschichte: 2500 Personen versammelten sich anno 1830 in Balsthal und hörten dem liberalen Führer und späteren Bundesrat Josef Munzinger zu, wie dieser die vorbehaltlose Anerkennung der Volkssouveränität und des Volkswillens forderte. Nicht ohne Folgen, wie sich zeigen sollte. Der Sturz des Solothurner Patriziats war eingeläutet und das Ereignis gilt auch als Geburt des Freisinns. Das Rössli bekam damit seinen festen Platz in der Wahrnehmung der Schweizer Geschichte.

Mehr noch: Als historische Pferdewechselstelle nahm das Rössli Balsthal über Jahrhunderte eine dominierende Stellung am Fusse des Hauensteinpasses ein, berichten die Geschichtsbücher. Bekanntlich wird nicht immer alles schriftlich festgehalten, was tatsächlich geschehen ist, und die Geschichte überlässt uns einen Interpretationsspielraum. Das erlaubt uns, das Geschehen rund um das Bad Klus etwas anders zu gewichten und Vermutungen anzustellen. Alles deutet gemäss einem alten Urbar darauf hin, dass hier schon 1423 «by dem badbrunnen» Badefreuden genossen wurden. Demnach ist gut vorstellbar, dass manch einer es jeher vorzog, in der äusseren Klus einen Halt einzuschalten. Im dortigen Bad im warmen Wasser Entspannung zu finden, müsste doch einiges verlockender gewesen sein, als in Balsthal mit verstaubten Hemden zu bechern. Niemand möge demnach die Bedeutung dieses geschichtsträchtigen Hauses in der Klus unterschätzen! Es ist auch mit der Geschichte des Geschlechtes der Pfluger verbunden. Diese Familie hatte im ausgehenden Mittelalter sehr wohl «Gewicht», um es im Volksmund auszudrücken. 1604 kam das Bad Klus in die Hände des Solothurner Bürgers Werner Pfluger. 1756 baute Johann Josef Pfluger das Bad um. Ihm ist letztlich die gelungene Gestaltung der Bad Klus-Treppe zu verdanken.

Mit dem gegenwärtigen, italienstämmigen Wirt des Restaurants Bad Klus ist sowohl das christliche als auch das liberale Gedankengut bis auf den heutigen Tag in dieser Gaststätte verankert. Massimo Santucci vertritt nämlich mit seiner Tätigkeit zum Schutze der Schwachen in seiner ursprünglichen Heimat ehrenwerte christliche Werte. Ihm ist die Volkssouveränität und das Respektieren des Volkswillens ein grosses Anliegen.

Sollte der Bad Klus Wirt wirklich Papst Franziskus auf seine Treppe bringen, wäre köstlich zu hören, wenn seine Heiligkeit einigen einflussreichen Mitbürgern in Sachen «Respektieren des Gemeindeversammlungsbeschlusses in der Causa Unterdorf» mahnende Worte mit auf den Weg geben würde. Immerhin stünde die Möglichkeit offen, in der nahen St.Jost Kapelle Papst Franziskus Worte zu verinnerlichen und konforme Taten folgen zu lassen. Man möge in der Folge dem Papst die Schelte verzeihen und ihm nicht böse der Worte sein, sondern eher darüber schmunzeln!