Bundesamt für Wohnungswesen
Spiel mir das Lied vom Abbau

Es gibt Pläne zur Schliessung des Bundesamtes für Wohnungswesen in Grenchen.

Andreas Toggweiler
Andreas Toggweiler
Merken
Drucken
Teilen
Das Bundesamt für Wohnungswesen in Grenchen.

Das Bundesamt für Wohnungswesen in Grenchen.

Andreas Toggweiler

Seit das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) 1995 in Grenchen eröffnet wurde, hat das Amt einen schweren Stand. Immer wieder wurde von marktgläubigen Kreisen die Schliessung verlangt. Wieso eigentlich? Keiner käme auf die Idee, das Bundesamt für Landwirtschaft abzuschaffen, obwohl es viel weniger Bauern gibt in der Schweiz als Mieterinnen und Mieter. Bauern haben eine lautstarke und effiziente Lobby für ihre Anliegen, Mieter sind demgegenüber heute weniger unter Druck. Sie haben mit Ausnahme der Grossstädte kaum Probleme. Die Mieten sind erschwinglich, das Wohnungsangebot intakt.

Doch wird das in der Schweiz immer so bleiben? Die Einwanderung bleibt konstant hoch, die Bauzonen werden gleichzeitig gesetzlich eingeschränkt. Und wie lange die Zinsen derart tief bleiben und den Wohnungsbau befeuern, weiss auch niemand. Die Zeit wird kommen, wo der Staat vielleicht wieder Programme für die Schaffung günstigen Wohnraumes auflegen muss, wie sie jetzt beim BWO auslaufen.

Bundesrat Schneider-Ammann hat 2015 persönlich an den Wohntagen zu 20 Jahren BWO in Grenchen gratuliert. Er sollte sich gut überlegen, ob er tatsächlich einen Kahlschlag in einem so wichtigen Lebensbereich wie dem Wohnen riskieren will – und das in einer Zeit, wo der Bund regelmässig Milliardenüberschüsse schreibt. Vielleicht könnte ihn auch ein Blick in die Wirtschaftsstruktur Grenchens noch umstimmen, wo Büroarbeitsplätze nach wie vor rar sind. Die Erkenntnisse aus den Uhrenkrisen sollte man nicht leichtfertig unter den Tisch wischen.

andreas.toggweiler@azmedien.ch