Kommentar
Solothurn, Autoland

Der Verkehr im Kanton Solothurn nimmt zu – vor allem auf den Autobahnen wird der Platz knapp.

Christof Ramser
Christof Ramser
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Wer unseren Kanton nur aus der Windschutzscheiben-Perspektive oder den nationalen Verkehrsmeldungen kennt, für den besteht er aus grauen, oft verstopften Autobahnbändern. (Symbolbild)

Wer unseren Kanton nur aus der Windschutzscheiben-Perspektive oder den nationalen Verkehrsmeldungen kennt, für den besteht er aus grauen, oft verstopften Autobahnbändern. (Symbolbild)

Oltner Tagblatt

Solothurn? Das ist doch der Kanton, wo sich Autobahnstränge kreuzen, Lagerhallen aneinanderreihen und wo man im Cindy’s Diner auch um 2 Uhr morgens noch in einen saftigen Hamburger beisst.

Wer unseren Kanton nur aus der Windschutzscheiben-Perspektive oder den nationalen Verkehrsmeldungen kennt, für den besteht er aus grauen, oft verstopften Autobahnbändern.

Die Strassenverkehrserhebung des Kantons Solothurn bestätigt dieses Bild. Bis zu 14 Prozent hat der Verkehr auf den Nationalstrassen im Kanton in den letzten fünf Jahren zugenommen.

Vor allem die Autobahnzufahrten sind schwer belastet. Nicht zuletzt wegen der Angestellten, die in den Hochregallagern arbeiten und die Ware in die ganze Schweiz spedieren.

Hinzu kommt die hausgemachte Blechlawine. Der Solothurner Motorisierungsgrad ist höher als im Schweizer Durchschnitt. Fast zwei Drittel der Kantonsbewohner haben heute ein Auto, und es werden stetig mehr.

Die Autobahnen ziehen die Fahrzeuge wie Magnete an. Einzig beim Anschluss Kriegstetten stagniert die Anzahl der Brummer. Ob das wirklich ein Hinweis auf weniger güterverkehrsintensive Produktion ist, muss sich weisen; das neue Logistikzentrum in Derendingen wurde eben erst eröffnet.

Die Verteilbetriebe fressen das wertvolle Ackerland weg und verursachen starke Verkehrsströme. Zudem bleibt das Einfamilienhaus die beliebteste Wohnform der Schweizer. Allein in der Wasserstadt sollen einst 130 davon gebaut werden.

Verdichtung tönt also vor allem auf dem Papier interessant. Der Mehrverkehr ist der Preis, den wir für die herkömmliche Art von Wohnqualität und für die wichtigen Arbeitsplätze zu bezahlen. @ christof.ramser@azmedien.ch