Laubsägelihaus
Schutzlos im Inventar

In Solothurn geht es wieder um ein Haus, das eigentlich nicht abgerissen werden sollte, aber kann.

Wolfgang Wagmann
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Das Laubsägelihaus weist viele Schäden auf.

Das Laubsägelihaus weist viele Schäden auf.

Wolfgang Wagmann

Jüngst die Villa Luder, jetzt das Laubsägelihaus: In Solothurn häufen sich Fälle von Bauten, die zwar in einem Inventar des Kantons als erhaltens- und schützenswert eingestuft werden, doch womöglich abgerissen werden. Was nicht verboten ist. Denn geschützt sind die Häuser nicht. Nur dann müssen die Eigentümer sie erhalten.

Das führt jetzt wie im Fall Laubsägelihaus zur totalen Blockade: Der Besitzer will und kann das Haus nicht renovieren, weil schier unbezahl- und finanzierbar, die Denkmalpflege aber möchte genau dies. Am Schluss steht wohl ein Abrissgesuch, dem – wie im Fall der Villa Luder vor einigen Monaten – entsprochen wird. Weil man rechtlich nicht anders kann.

Die Schäden am Laubsägelihus in Solothurn
11 Bilder
Schäden an der Südfassade im Mitteltrakt des Ost-Anbaus
Rund um dieses Fenster auf der Südseite fehlt einiges.
Schadhafter Balken an der Südfassade im ersten Stock.
Löcher an der Südfassade.
So sieht die Fassade auf der Ostseite aus.
Die Südfassade.
Bei näherem Hinsehen entdeckt man so manches.
Fassadenteil.
Die Südfassade präsentiert sich in schlechterem Zustand als die Nordpartie an der Zuchwilerstrasse.
Auch auf dem östlichen Balkon sieht es nicht gerade neu aus.

Die Schäden am Laubsägelihus in Solothurn

Wolfgang Wagmann

Was nützt also ein Inventar, wenn die Objekte darin nicht vor dem Abbruch bewahrt werden können? Stadt und Kanton Bern gehen einen pragmatischen Weg: Sie haben die Liste der inventarisierten Objekte zusammengestrichen. Der Kanton will nur noch 27 000 statt 39 000 Gebäude im Inventar haben, die Stadt Bern von 5160 aufgelisteten Objekten auf 2850 zurückfahren.

Bei uns dürfte der Fall Laubsägelihaus solche Trends nicht fördern, sondern eher den Wunsch der Denkmalpflege zementieren, dass Gemeinden über die laufende Ortsplanungsrevision den Schutz ihrer Inventar-Bauten forcieren. Das allerdings nützt dem Laubsägelihaus wenig, denn die Revision dauert noch. Auch ist fraglich, ob die Verschärfung der Schutzabsicht durchkommt. Vielleicht müsste sich der Kanton einen unkonventionellen Plan überlegen: Er kauft das Laubsägelihaus, renoviert es und siedelt dort die Denkmalpflege an. Die jetzt in einer Null-acht-fünfzehn-Villa zu Hause ist, die man für gutes Geld verkaufen könnte.

wolfgang.wagmann@azmedien.ch

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