Kommentar zu Steuerscanning
RR Donnelley zieht mit Königsopfer die Notbremse

Urs Mathys kommentiert die Entlassung von Urs Birrer.

Urs Mathys
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Urs Birrers E-Mail an Manfred Küng

Urs Birrers E-Mail an Manfred Küng

zvg

Beim Schachspiel wird der Bauer vom Spielfeld geworfen, um grössere Verluste zu vermeiden. Das «Bauernopfer» ist denn auch in der Wirtschaft zum Inbegriff dafür geworden, wenn ein Subalterner über die Klinge springen muss, um zumindest gegen aussen ein Zeichen zu setzen. Im Falle der Firma RR Donnelley Schweiz (RRD) ist alles anders: Hier hat der amerikanische Mutterkonzern mit einem «Königsopfer» die Notbremse gezogen: Urs Birrer, CEO der Firma, muss den Hut nehmen.

Eine andere Möglichkeit gab es wohl auch nicht mehr, nachdem diese Zeitung Birrers ungehörigen Mailverkehr mit einem SVP-Kantonsrat publik gemacht hatte. Das Königsopfer – die Entlassung eines in der Branche als Koryphäe, aber auch als Raubein geltenden Managers – soll wohl die grössten Skeptiker ruhig stellen. Und dazu beitragen, dass das umstrittene Steuerdaten-Scanning der Solothurner Steuerverwaltung bei RR Donnelley aus dem Schussfeld der Kritik genommen werden kann.

Ob dieser Schachzug ausreicht, ist nicht absehbar. Etliche Punkte in der Beziehung zwischen dem Kanton Solothurn und RRD sind ungeklärt – und bleiben es auch nach Birrers Abgang. Da sind einmal jene Fragen, die die kantonsrätliche Geschäftsprüfungskommission nun – nach ihrem Augenschein am RRD-Firmensitz – bezüglich Sicherheit des externen Scannings durch einen Experten abklären lässt. Oder die Frage, ob alternative Bearbeitungsvarianten nicht sinnvoller wären. Zum entscheidenden Faktor könnten letztlich aber wachsende Zweifel daran werden, dass sich das gestörte Vertrauensverhältnis wieder kitten lässt.