Persönlich
Reisen? Nachhaltig

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«Ich drehe den Wasserhahn nie mehr so üppig auf» (Symbolbild)

«Ich drehe den Wasserhahn nie mehr so üppig auf» (Symbolbild)

Keystone

Haben Sie es auch so? Nie reist der Mensch so gerne wie in Zeiten, die das Reisen kaum zulassen. So sinniert man eben Vergangenem hinterher. Gestern Abend war ich zum Beispiel in Italien. Virtuell natürlich. War schön, sag ich Ihnen. Und, auch wenn ich das Wort nicht gern brauche, erst noch nachhaltig.

Denn Italien fällt mir fast immer ein beim Zähneputzen. Weil ich dabei den Wasserhahn seit meinem Besuch am Ligurischen Meer nie mehr so üppig aufdrehe wie vorher. Wie das kam? Damals, so erinnere ich mich, fiel meiner Reisebegleitung mein massloser Wasserverbrauch auf. Und so drehte sie ungefragt das Wasser zurück, ohne Kommentar, ohne Worte, ohne Blicke, ohne Missbilligung. Einfach so. Mit der grössten und charmantesten Selbstverständlichkeit. Wie gesagt: Seither drehe ich den Wasserhahn dabei nur noch wenig auf.

Natürlich lässt sich jetzt fragen, warum ich während des Putzens überhaupt noch das Wasser laufen lasse. Es würde auch ohne gehen, ich weiss. Aber irgendwie fehlt mir wohl der Anreiz, die kleine Mahnung, der charmante Fingerzeig meiner damaligen Reisebegleitung. Und vielleicht bräuchte ich auch einfach Italien oder meinetwegen die ligurische Küste als liebliche Kulisse. Aber natürlich nicht virtuell.

urs.huber@chmedia.ch