Kommentar
Reden wäre Gold

Seit 2011 leben Lehrer, Eltern und nicht zuletzt Schülerinnen und Schüler mit der Sek-1-Reform à la Soleure. Mehr schlecht als recht tönt es da und dort.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Dass es sich nicht gerade um einen Wunderwurf handelt, ist gestern auch Kantonsrat zum Ausdruck gekommen. Kritik nach Neuerungen ist immer Teil eines Prozesses. In diesem Fall setzt sie jedoch gleich an mehreren Punkten an, sodass man die Einwände nicht leichtfertig als Umstellungsfrust vom Tisch wischen kann. Die Praxis scheint sich nicht nahtlos mit der Theorie decken zu wollen. Betrachten wir zwei der wesentlichen Wirkungsziele dieser Reform, die Positives versprechen: Eines lautet «die Sekundarschule ist in vier durchlässige Schultypen gegliedert» und das andere «in den Sekundarschultypen B und E erfolgt eine optimale Vorbereitung auf die Berufsbildung». Nun werden in beiden Fällen Stolpersteine geortet.

Besonders auffällig: Moniert wird der Umstand, dass zunehmend Lernende vermisst würden, die in anspruchsvollen Berufslehren bestehen können. Die Schuld wird dem progymnasialen Weg gegeben, den Sechstklässler (und nicht zuletzt deren Eltern) als Königsweg einstufen. Was er für vielseitig interessierte Elf- oder Zwölfjährige mit den nötigen Voraussetzungen ja tatsächlich auch ist. Und da unser Kanton in Sachen Maturitätsquote Entwicklungspotenzial aufweist, ist hier Gegensteuergeben kaum opportun. Anders sieht es aus, wenn von Anfang eine Berufslehre anvisiert wird. Dann muss der Schultyp E für hohe Ansprüche in der Tat die richtige Vorbereitung sein.

Sollte wirklich Handlungsbedarf bestehen, muss man über die Bücher gehen. Mit «E+» ist ein vernünftiger Vorschlag auf dem Tisch. Die Debatte ist eröffnet. Besonders interessieren würde dabei natürlich die Haltung des Bildungsdirektors. Noch sitzt er schweigend im Kantonsratsaal, derweil engagierte Parlamentarier ein zentrales Geschäft seines Departements zerzausen. Das schreit ebenfalls nach einer Reform erwünscht.