Kommentar
Quantität steigt – und die Qualität?

Noch selten waren im Kanton Solothurn die Aussichten zur Wahl eines «Neuen» in den Nationalrat so schlecht wie in diesem Jahr.

Urs Mathys
Urs Mathys
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Im Kanton Solothurn bewerben sich 147 Personen um die sechs Nationalratssitze. (Archiv)

Im Kanton Solothurn bewerben sich 147 Personen um die sechs Nationalratssitze. (Archiv)

Keystone

Noch selten waren im Kanton Solothurn die Aussichten zur Wahl eines «Neuen» in den Nationalrat so schlecht wie in diesem Jahr: Alle sieben Bisherigen wollen am 18. Oktober erneut gewählt werden – doch in Bern stehen für die Solothurner nur noch sechs Sitze zur Verfügung. Und trotzdem: Noch nie stellten sich so viele Kandidierende zur Wahl wie jetzt – und auch dies auf einer neuen Rekordzahl von Listen.

Einmal wird der Wahltag kommen, an dem es auch Unterlisten der Linkshänder, der Blonden oder der Baumfäller geben wird. Als Beitrag zur Politisierung breiterer Volksschichten könnte man dies ja noch begrüssen, zumal das Kandidierendürfen unser aller gutes Recht ist. Doch obwohl es hier immerhin um sechs rare Nationalratssitze geht, überrascht das Kandidatenfeld schon heute eher durch Quantität denn durch Qualität: Es wimmelt nur so von Quer- und Schnelleinsteigern – von denen viele bald wieder Schnellaussteiger sein werden. Doch dann haben sie ja ihre Schuldigkeit als Stimmenfänger längst getan.

Der Listen- und Kandidatenboom ist nicht wirklich Ausdruck eines inhaltlich breiteren Politspektrums. Vielmehr widerspiegelt er das hektische Bemühen der Parteien, mit möglichst vielen Netzen möglichst viele Fische zu fangen: Listen der Jungen, der Älteren, der Internationalen usw. sollen über die angestammte Klientel hinaus Stimmen für das jeweilige Lager gewinnen. Niemand auf diesen Listen hat persönlich auch nur den Hauch einer Chance. Profitieren werden – dank der Listenverbindungen – letztlich nur die Grossen. Und die müssen heuer um jede Stimme froh sein. Respekt deshalb vor der Solothurner SVP, dass sie der Versuchung nicht erlegen ist, zur Absicherung ihrer zwei Sitze mit dem Kandidaten der Pegida-Partei ins braune Lotterbett zu steigen. urs.mathys@azmedien.ch