Kommentar
Psychiater in der Pflicht

Das Solothurner Obergericht verurteilt den Schützen von Zuchwil zu 19 Jahren Freiheitsstrafe.

Christof Ramser
Christof Ramser
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Der Schütze von Zuchwil muss statt einer lebenslangen Haft 19 Jahre hinter Gitter verbringen. (Archiv)

Der Schütze von Zuchwil muss statt einer lebenslangen Haft 19 Jahre hinter Gitter verbringen. (Archiv)

Tele M1

Wissen Sie, was im Jahr 2034 in Ihrem Leben passieren wird? Der Schütze von Zuchwil scheint es zu wissen: Nach Verbüssung seiner Freiheitsstrafe wird er dann voraussichtlich aus dem Gefängnis entlassen.

Der junge Mann wollte in Zuchwil und Olten zwei Frauen töten und aus purem Egoismus das höchste Gut vernichten, das diese Menschen haben.

Dass die lebenslängliche Freiheitsstrafe der Vorinstanz abgemildert wurde und ein psychisch gestörter Schwerverbrecher, der wieder den Abzug ziehen könnte, nicht für immer hinter Gitter muss, mag empören.

Für das Opfer, das neben dem Bauchschuss grosse seelische Schmerzen erlitten hat, ist es gar ein furchtbarer Gedanken. Zwar soll die psychiatrische Behandlung sicherstellen, dass ihr Peiniger nie mehr töten will.

Doch dafür gibt es trotz wissenschaftlichen Expertisen keine Sicherheit. Im Grunde genommen ging es im gesamten Strafverfahren nicht um die Opfer. Diese wurden zwar als Zeugen einvernommen und kriegen eine Genugtuung.

Doch eigentlich ging es um das kollektive Moralverständnis und um die Frage, wie wir als Rechtsgemeinschaft die begangenen Taten sühnen wollen. In diesem Fall soll der Mann in einer geschlossenen Anstalt therapiert werden.

Mit dieser «kleinen Verwahrung» hat das Gericht einen Teil der Verantwortung an die Psychiater abgetreten. Wir müssen uns darauf verlassen können, dass sich der Schütze von Zuchwil erfolgreich auf die Therapie einlässt.

Damit die Gesellschaft und insbesondere die Opfer dem Tag der Entlassung ohne Schrecken entgegensehen können.

@ christof.ramser@azmedien.ch