Bundesgericht
Primarlehrer = Frauenberuf: Ein folgenreicher Entscheid

Das Bundesgericht entschied, dass der Primarlehrerberuf künftig als Frauenberuf zu taxieren sei. Der Kommentar.

Jörg Meier
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Primarlehrerin: Heute ein typischer Frauenberuf

Primarlehrerin: Heute ein typischer Frauenberuf

Keystone

Das Bundesgericht hat festgestellt, dass es sich beim Primarlehrer um einen klassischen Frauenberuf handelt. Diese auf den ersten Blick harmlos scheinende Feststellung hat weitreichende Konsequenzen. Zuerst einmal lässt sie beim Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverband die Champagnerkorken knallen. Denn der Entscheid ist ganz im Sinne des Verbandes, der die Klärung mit einer Beschwerde gegen das Verwaltungsgericht erwirkt hat. Die Chancen stehen gut, dass unter dem Aspekt, dass Primarlehrer eben ein Frauenberuf ist, die Primarlehrerlöhne überprüft und allenfalls nach oben angepasst werden müssen. Denn es besteht der Verdacht der indirekten Diskriminierung. Viel Arbeit also für die Juristen und andere Fachleute.

Das wiederum ist nicht im Sinne des Kantons, der gerade mitten in einer strengen Sparkur steckt. Denn die Lohnanpassung für alle Primarlehrkräfte könnte sehr teuer werden und würde die stundenlangen Spardebatten im Grossen Rat geradezu ad absurdum führen. Da bleibt der Regierung nur die Hoffnung, dass das Verwaltungsgericht bei der Lohneinstufung nichts Diskriminierendes im System finden wird, weder indirekt noch direkt.

Schliesslich wird der Gerichtsentscheid auch Auswirkungen auf die Lohnsysteme anderer Kantone haben, allenfalls mit erheblichen finanziellen Folgen. Doch das wiederum könnte den Primarlehrerberuf wieder attraktiver für Männer machen; die Männerquote in den Schulzimmern der Unter- und Mittelstufe würde vielleicht auch wieder steigen. Das Bundesgericht müsste deswegen in absehbarer Zeit kaum aus dem Frauenberuf «Primalehrer» wieder einen geschlechtsneutralen machen müssen.

@ joerg.meier@azmedien.ch