Rechnung 2014
Prachtsergebnis für Solothurn: das kalte Kalkül

Die Stadt Solothurn schreibt in der Rechnung 2014 ein Plus von 7,8 Millionen Franken. Gerechnet worden war noch mit einem Minus von 3,8 Millionen. Der Kommentar.

Wolfgang Wegmann
Wolfgang Wegmann
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Die Stadt Solothurn schreibt überraschenderweise ein dickes Plus in ihrer Rechnung von 2014.

Die Stadt Solothurn schreibt überraschenderweise ein dickes Plus in ihrer Rechnung von 2014.

Simon Dietiker

Sie war schon eine attraktive Braut, jetzt ist sie es definitiv: Die Stadt Solothurn hat mit einem neuerlichen Plus von fast 8 Mio. Franken eine Schönheitsoperation der gröberen Sorte hinter sich.

Die Rechnung 2014 verschafft mit diesem Prachtsergebnis nicht nur stadtintern Luft und bringt wohl alle (rotgrünen) Unkenrufe für Jahre zum Schweigen. Sie ebnet auch das Terrain für fusionslustige Gemeinden innerhalb des Top-5-Verbundes – also für Zuchwil, Biberist, Derendingen und Luterbach. Rein finanziell wäre doch der Unterschlupf im prall gefüllten Tresor Solothurn zu verlockend – der gemeinsame Start-Steuerfuss in der neuen Stadt könnte nämlich mit diesem Rechnungsergebnis und zu erwartenden besseren Abschlüssen in den Gemeinden sogar unter die 120-Prozentpunkt-Marke fallen,

Angesagt sind im Entwurf des Fusionsvorvertrags 122 Prozentpunkte. Kein Wunder, war Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri vor einer Woche mehr als gelassen, wusste er doch schon damals vom Millionen-Überschuss in seiner Hauskasse. Und dass damit die Steuerfuss-Problematik für die Stadtbevölkerung deutlich entschärft wird. Die Frage ist nur, ob Fluri die Zweischneidigkeit des Schwerts sieht: In jeder anderen Kommune von der Grösse Solothurns würde mit diesem Ertragsüberschuss, einem Eigenkapital von 30 Mio. und Vorfinanzierungen von 23 Mio. Franken nur über eines diskutiert: eine Steuersenkung.

Vielleicht kommt deshalb der neuerliche Geldsegen für ein «Ja» zur Vermählung mit vier weit weniger gut situierten «Bräutigamen» gar nicht so gelegen. Denn ob sich da die schwerreiche Braut noch traut, ist zunehmend nicht mehr eine Frage des Herzens, sondern des kalten Kalküls.

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