Einigkeit?
Politik – nur für den harten Kern

Was haben Wahlen in der Schweiz und China gemeinsam? Die Resultate sind fast gleich absehbar.

Lucien Fluri
Lucien Fluri
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Der Konformitätsdruck hat «Abweichler» schon anders stimmen lassen als sie es an der Urne tun. (Symbolbild)

Der Konformitätsdruck hat «Abweichler» schon anders stimmen lassen als sie es an der Urne tun. (Symbolbild)

Keystone

Verkehrte Welt: Von Rodersdorf bis Subingen belegen Parteien wieder Säle, um an Delegiertenversammlungen Parolen zu fassen. Man könnte denken, da werde gestritten, mit Argumenten hart um Meinungen gerungen. Weit gefehlt. Grosse Diskussionen sind unüblich. Da werden schon mal Augen gerollt, wenn einer meint, er müsse den Abend mit einem Votum in die Länge ziehen. Pro und Contra sind teils abgeschafft. Ein Parteivertreter peitscht die Parole in die richtige Richtung, das Publikum ist nicht immer vorinformiert. Das Resultat, egal bei welcher Partei: Fast so absehbar wie Wahlen in China. Flügelkämpfe in Volksparteien? Passé.

Repräsentativ für die Meinung der Mitglieder sind die Versammlungen auch nicht immer: Der Konformitätsdruck hat «Abweichler» schon anders stimmen lassen als sie es an der Urne tun. Die FDP äusserte sich klar gegen die Masseneinwanderungsinitiative. Das Parteivolk tat es teils anders. Klar: Der harte Kern wird mit Versammlungen mobilisiert. Das Apero gibt das nicht zu unterschätzende Gemeinschaftsgefühl. Politische Partizipation ist das aber nur in geringem Mass.

Die CVP hat am Dienstag – eine Ausnahme – gezeigt, wie man es auch machen kann. Hart haben die Delegierten um die Präimplantationsdiagnostik gerungen. Und in einer geheimen Abstimmung mal ein anderes Resultat als 89:0 vorgebracht. Doch wenn, wie sonst oft, das Resultat schon im Vorfeld klar ist und die echte Auseinandersetzung fehlt, erledigen sich die Versammlungen langfristig von selbst. Die GLP macht schon heute vor, wie man auch Parolen fassen kann: Im Internet, ganz unkompliziert.