Kommentar
Platz da für Fahrende

Der Kanton sucht Standplätze für Schweizer Fahrende. Es ist eine aufreibende Aufgabe.

Merken
Drucken
Teilen
Fahrende auf einem Parkplatz bei Bern (Symbolbild)

Fahrende auf einem Parkplatz bei Bern (Symbolbild)

Keystone

Die Zeit drängt: Wenn die Fahrenden im Steinbruch Bargetzi in Rüttenen bis im März nicht weg sind, droht die Zwangsräumung. Diese Dringlichkeit erstaunt. Immerhin wurde die Schweizer Familie 27 Jahre an ihrem Wohnort toleriert. Aber so will es das Recht.

Nun muss der Kanton subito einen neuen Platz finden. Er ist in Zugzwang, weil er versprochen hat, aktiv eine Lösung für die Familie zu suchen. Auch dies will das Recht: In der Bundesverfassung und im Raumplanungsgesetz ist die Lebensweise der ethnischen Minderheit der Schweizer Fahrenden geschützt. Der Kanton ist verpflichtet, Standplätze einzurichten.

Doch im Gegensatz zu anderen Kantonen tritt man in Solothurn auf der Stelle. Die Suche verläuft schleppend: Wo sich die Jenischen niederlassen wollen, erwächst Widerstand. Das Bedürfnis nach Standplätzen wird zwar akzeptiert. Aber bitte nicht in der eigenen Nachbarschaft. Diese Doppelmoral war in letzter Zeit auch in unserer Region zu beobachten, nachdem der Kanton Standorte in Biberist ins Visier nahm. Dagegen ist das Areal in Flumenthal vielversprechend. Wenigstens für den Kanton. Die Bevölkerung vor Ort dürfte zumindest aus «ästhetischen» Gründen, wie in Biberist moniert, nichts dagegen haben. Es ist ein positives Signal, dass auch die Jenischen selbst sich offenbar mit Flumenthal anfreunden können.

In dem es den Fahrenden Platz macht, könnte Flumenthal ein Zeichen setzen. Eine Räumung in Rüttenen ist wahrlich das Letzte, das wir sehen wollen.

@christof.ramser@azmedien.ch