Plädoyer für die globalisierte Wirtschaft und eine weltoffene Schweiz

Josef Maushart
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Das Konzept der globalisierten Welt wird derzeit auf die Probe gestellt wie nie zuvor: War es im letzten Jahr noch der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China, bei dem es natürlich auch um die wirtschaftliche Vormachtstellung und letztlich um zwei konkurrenzierende politische Systeme ging, so ist es nun im Jahr 2020 eine Pandemie historischen Ausmasses. Tragisch daran ist, dass die Welt – und mit ihr auch die Schweiz – überrascht wurden, obwohl ja Pandemiepläne existiert haben. Ein solch rasanter Ausbruch eines Virus und der verordnete Stopp im weltweiten öffentlichen und geschäftlichen Leben waren aber wohl ebenso unvorstellbar wie bis dahin der Wirtschaftscrash nach der Lehman Pleite in den Jahren 2008/09. Und die weitere Entwicklung ist derzeit ebenso schwer zu prognostizieren, wie sie es damals war.

Verschiedentlich wird nun der Ruf nach mehr Selbstversorgung und mehr wirtschaftlicher Autonomie laut. Es gibt sicher Bereiche, in denen wir sehr ernsthaft prüfen müssen, ob wir wieder mehr in der Schweiz oder zumindest in Europa entwickeln und produzieren müssen. Dabei dürfen wir aber nicht übersehen, dass der Nutzen einer globalisierten Arbeitsteilung unbestritten ist und gerade für die Schweiz weit mehr Chancen als Risiken bietet.

Wir haben in der Schweiz eine sehr grosse Zahl von international wettbewerbsfähigen Unternehmen. Diese Firmen erwirtschaften mit dem Export von Waren und Dienstleistungen einen wesentlichen Teil unsers Wohlstandes. Diese Industrien sind so leistungsfähig, dass sie in den Jahren von 2007 bis 2011 den freien Fall des Wechselkurses zum Euro von 1.67 auf 1.20 und mit der Aufhebung des Mindestkurses im Jahr 2015 auch das Absacken auf 1.03 verkraftet haben. Das war nur möglich, weil unsere Industrie in vielen Bereichen eine unangefochtene Spitzenstellung einnimmt und international vernetzt ist!

Wir setzten uns trotz einer extrem starken Währung auf den Weltmärkten durch und verdienen dort das Geld, mit dem unsere Mitarbeiter hier zu Hause einkaufen. Dafür sind eine globalisierte Wirtschaft und eine diskriminierungsfreier Zugang zum EU Markt zwingend erforderlich. Unter den erfolgreichen Exportnationen der Welt ist die Schweiz diejenige mit dem kleinsten Binnenmarkt. Keine andere Exportnation ist so sehr wie wir auf freie Grenzen und freien Warenverkehr auf der ganzen Welt angewiesen!

Mit Blick auf die Coronakrise kommt es für die Schweizer Industrie nun darauf an, dass wir unsere Chancen konsequent und schnell nutzen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Werkplatzes Schweiz zu erhalten und zu stärken! Wir haben die besten Voraussetzungen dafür, die Möglichkeit der buchstäblich weltumspannenden Kommunikation hat geradezu eine Sternstunde erlebt und Partner auf der ganzen Welt sind nochmals näher mit uns zusammengerückt. Und auch in allen anderen Bereichen der Digitalisierung haben wir bessere Tools als je zuvor! Wichtig ist aber auch, dass wir ein weltoffenes Volk bleiben und uns weiterhin für eine globalisierte und freie Weltwirtschaft einsetzten. Denn wir verdienen unseren Wohlstand und den Wohlstand unserer Enkel nicht zu Hause, sondern draussen in der Welt.