Persönlich
Mehr Teigboden als Gedrucktes

Balz Bruder
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Manuela Jans-Koch

Die einen wollen mehr Regeln. Die andern weniger. Und dritte gar keine. Das gilt nicht nur in der Pandemie, sondern auch sonst im Leben. Aufgefallen ist mir dies, als ich jüngst zur Arbeit eilte und am Strassenrand Altpapier zur Abholung bereitstand. Früher gereichte es einem Haushalt zur Ehre, das Papier fein säuberlich zu bündeln und eine Schnur darum herum zu legen, auf dass die Papiersammlung sich nicht mit losen Zeitungen und frei schwebenden Briefumschlägen zu befassen habe.

Was heute anders ist: Es gibt viel weniger Menschen, die eine Zeitung abonniert haben, also gibt es auch weniger Gedrucktes zu bündeln. Abgelöst wurde die Zeitung, einem flüchtigen Eindruck zufolge, durch Pizzakartons, die in diesen Zeiten in rauen Mengen gestapelt werden. Nein, sie werden nicht mehr von feiner Hand gebunden, sondern vorzugsweise in einem Papiersack verstaut und ihrem Schicksal überlassen. Was die Arbeit derer, welche die Chose einsammeln, nicht erleichtert.

Ohne unbotmässiger Nostalgie zu verfallen: Als noch mehr gelesen und weniger Teigboden gegessen wurde, war das Leben derer, die stapelten, ebenso jenes von denen, die entsorgten, besser. Aber das ist bloss ein dumpfes Gefühl.

balz.bruder@chmedia.ch