Persönlich
Darwinismus

Urs Huber
Urs Huber
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Bruno Kissling

Nein, ich hab’ es nicht ertragen. Ehrlich nicht. Ich konnte mich mit der Übermacht dieser keckernden Elstern in meinem Garten nicht mehr abfinden. So unterstützte ich die armselige Amsel, die jedes Mal von der Brotkrume ablassen musste, nur weil diese Biester, grösser, schwerer, frecher, sich vorrangig bedienen wollten. Erfolgreich, wie ich beobachtet habe. Bei minus 8 Grad. So riss ich mehrfach das Küchenfenster auf, was wiederum die Amsel nicht wirklich zu schrecken vermochte. Sie hoppelte nur ein paar Meter weg. Dafür liessen sich die Elstern für 30 Sekunden vertreiben. Und die Amsel labte sich zwischenzeitlich an der Brotkrume.

Ich war zufrieden mit mir. Nicht dass meine Welt darob eine bessere geworden wäre. Aber immerhin. Dann fiel mir noch auf, in Diskussionen recht häufig darwinistische Ansichten zu vertreten. So nach der Maxime: Die natürliche Auslese, das Selektionsprinzip, steht im Vordergrund. Klar, in der Theorie schon. Aber in der Praxis?

Sicher ist: Nie mehr werde ich mich lustig machen über Zeitgenossen, die ihr Vogelhäuschen bereitstellen und bestücken des Winters. Egal, wie mild der ausfällt. Und die dann durchs Fenster glückselig beobachten, wie sich die Vogelwelt am Angebot gütlich tut. Meinen Darwinismus stelle ich zurück. Wahrscheinlich bis im Sommer.

urs.huber@chmedia.ch

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