Schraubenzieher-Schläger
Nur für die akademische Galerie

«Schraubenzieher-Stecher» Valon K. dürfte vom Urteil wenig verstehen. Viel zu kompliziert ist dieses abgefasst.

Lucien Fluri
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Im Solothurner Kollegium-Hof stach Valon K. an der Fasnacht 2010 zwei Mal mit einem Schraubenzieher in den Kopf seines Opfers. Archiv

Im Solothurner Kollegium-Hof stach Valon K. an der Fasnacht 2010 zwei Mal mit einem Schraubenzieher in den Kopf seines Opfers. Archiv

Oliver Menge

Angespannt sass der junge Mann am Mittwochnachmittag auf der Anklagebank. Er, der brutale Schläger, der 2010 in Solothurn einem jungen Mann einen Schraubenzieher in den Kopf rammte, wirkte lammfromm. Ihm gegenüber sassen die Oberrichter. Es ging um nichts weniger als die Frage, ob der Mann die ordentliche oder die «kleine» Verwahrung erhält. Es ging darum, ob er je noch ein eigenes, selbstbestimmtes Leben führen wird. Ob er noch eine Chance dafür hat.

Marcel Kamber, der vorsitzende Richter, verlas das Urteil. Rhetorisch brillant. Aber: Ob der junge Mann irgendetwas verstanden hat? Schachtelsätze, Juristendeutsch, Fachchinesisch-Zitate aus einem psychiatrischen Gutachten. Auseinandersetzungen mit dem Bundesgericht. Fremdwörterkaskaden. Der 26-Jährige sass da, blickte ins Leere. Aufgewühlt. Deutsch ist nicht seine Muttersprache. Und seine Intelligenz ist – vom Gutachter bestätigt – sehr gering. Und auch wer mit einem besseren Bildungsrucksack auf den Zuschauerreihen sass, musste sich konzentrieren, um die Urteilsverkündung nachvollziehen zu können.

Klar: Urteile müssen, auch wenn sie mündlich verkündet werden, verdammt stichhaltig sein. Ohne ein wenig Juristendeutsch geht es nicht. Aber hätte der Beschuldigte, der wohl nie mehr in Freiheit kommt, nicht Anspruch darauf, zumindest einigermassen verstehen zu können, wenn über sein Leben bestimmt wird? Wäre das nicht ein würdiger Umgang des Staates mit den Beschuldigten?

lucien.fluri@azmedien.ch