Christkatholische Kirchgemeinde
Nun braucht es konstruktive Kräfte – vorerst gemeinsam mit Pfarrer Kai Fehringer

Fabian Muster
Fabian Muster
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«Als Hauptschuldiger wird von den pfarrerkritischen Mitgliedern Kai Fehringer (auf dem Bild) ausgemacht. In ihren Augen gibt es keinen richtigen Neuanfang mit ihm. Weil er sich in alles einmischt, dadurch die Leute vergrämt, so aber auch Anhänger hinter sich schare, spalte er die Kirchgemeinde.»

«Als Hauptschuldiger wird von den pfarrerkritischen Mitgliedern Kai Fehringer (auf dem Bild) ausgemacht. In ihren Augen gibt es keinen richtigen Neuanfang mit ihm. Weil er sich in alles einmischt, dadurch die Leute vergrämt, so aber auch Anhänger hinter sich schare, spalte er die Kirchgemeinde.»

Patrick Lüthi

In der Vorweihnachtszeit ist die Situation in der christkatholischen Kirchgemeinde der Region Olten mit ihren 31 angeschlossenen Gemeinden endgültig eskaliert und der Frieden gegen aussen vorbei: An der Gemeindeversammlung Anfang Dezember ist der gesamte Kirchgemeinderat wegen der Spannungen mit Pfarrer Kai Fehringer per sofort zurückgetreten. Bereits Anfang Juli hat dies Präsident Kurt Stutz aus demselben Grund getan. Der Pfarrer selbst will aber im Amt bleiben und verweist auf seine Wahl an der Urne durchs Kirchenvolk – dies obwohl ihm der Schweizer Bischof und auch die Synodalratspräsidentin, also seine geistlichen respektive weltlichen Vorgesetzten, einen Rücktritt nahegelegt und dies so auch öffentlich kundgetan haben. Anscheinend hat der Kirchgemeinderat auch über eine Entlassung des Pfarrers nachgedacht, diese Option dann aber auch aus finanziellen Erwägungen fallen gelassen: Sein Lohn hätte bis Ende Legislatur 2021 bezahlt werden müssen. Zudem befürchtete das Gremium bei einem allfälligen Rekurs des Pfarrers gegen den Entscheid weitere Prozess- und Anwaltskosten.

Mittlerweile sind die aktiven Mitglieder der rund 500-köpfigen Kirchgemeinde in pfarrerstreue und pfarrerskritische Fraktionen gespalten. Es gibt mehrere gewichtige Austritte aus der Kirchgemeinde, darunter jener des zurückgetretenen Präsidenten Kurt Stutz. Dadurch wird nicht nur der Reputationsschaden immer grösser, sondern es steigt auch der finanzielle Druck: Mit den namhaften Mitgliedern, welche dieser Zeitung bekannt sind, gehen Steuergelder verloren. Eine Steuererhöhung um zwei Punkte, die das strukturelle Defizit hätte lindern sollen, wurde an der erwähnten Gemeindeversammlung Anfang Dezember von den Stimmberechtigten aber abgelehnt. Nicht zuletzt hätten die Christkatholiken mit der Bereinigung ihres Liegenschaftsportfolios – die Kirchen in Hägendorf, Trimbach und Starrkirch-Wil werden nicht mehr benötigt – eigentlich genug Arbeit am Hals. Die Talsohle sei noch nicht erreicht, sagt ein Mitglied hinter vorgehaltener Hand. Wenn es so weitergehe, sei der Zusammenhalt der Kirchgemeinde ernsthaft gefährdet.

Der neue Sachwalter Walter Keller, dem die Kirchgemeinde einen Stundenansatz von 280 Franken zahlen muss und damit die Kasse zusätzlich belastet, hat keine leichte Aufgabe. Er steht vor einem Scherbenhaufen und muss die Fronten einander wieder näherbringen. Als Hauptschuldiger wird von den pfarrerkritischen Mitgliedern Kai Fehringer ausgemacht. In ihren Augen gibt es keinen richtigen Neuanfang mit ihm. Weil er sich in alles einmischt, dadurch die Leute vergrämt, so aber auch Anhänger hinter sich schare, spalte er die Kirchgemeinde. Die Pfarrerstreuen hingegen sagen, dass der Kirchgemeinderat Kai Fehringer etwa bei wichtigen Geschäften wie der Ausarbeitung des neuen Pfarrer-Pflichtenhefts nicht anhöre, keine Mediation wolle und Sitzungen ohne den Pfarrer durchführe, sodass er seine beratende Stimme nicht einbringen könne. Als aussenstehender Beobachter ist es schwierig einzuschätzen, wer in welcher Hinsicht wie stark recht hat. Fehringer wird selbst von einigen seiner Kritiker attestiert, ein guter Prediger zu sein. Und der Gemeinderat hat in den letzten Monaten nach dem Rücktritt von Kurt Stutz nicht immer einen souveränen Eindruck hinterlassen und etwa mit den Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit verständlicherweise einen gewissen Argwohn ausgelöst.

Klar ist daher, dass sich alle Seiten bewegen müssen, wollen sie im neuen Jahr konstruktiv zu einem Neuanfang in der Kirchgemeinde beitragen. Wie bereits bekannt wurde, ist jener Teil bereit, der hinter dem Pfarrer steht, in einem neu zu konstituierenden Gemeinderat mitzuarbeiten und mit mehreren Mitgliedern Verantwortung zu übernehmen. Auch Kai Fehringer selbst hat in seiner Predigt am Weihnachtstag klar durchblicken lassen, dass er weiterhin den Dialog will und bereit ist, Frieden zu schliessen. Damit erklärt er sich implizit aber auch bereit, sich auf die Aufgabe als Pfarrer zu konzentrieren.

Diejenigen Mitglieder der Kirchgemeinde, die Fehringer kritisch gegenüberstehen, müssen nun über ihren eigenen Schatten springen und damit leben, dass er wohl die nächsten eineinhalb Jahre bis zum Ende der Legislatur noch im Amt sein wird. Es bringt nichts, auf stur zu schalten oder gar auszutreten. Mit dem letzterwähnten Akt setzen die Skeptiker zum einen ein falsches Zeichen gegen aussen – dass nämlich bei Problemen einfach davongelaufen wird – und sie sich nicht weiter konstruktiv einbringen wollen. Zum anderen berauben sich die Ausgetretenen so der Mitbestimmung bei den nächsten Wahlen, wo auch das Amt des Pfarrers zur Disposition steht. Offen ist nämlich, ob sich Kai Fehringer dannzumal immer noch dem Druck der geistlichen Obrigkeit und einem Teil der eigenen Kirchgemeinde widersetzen kann oder sich zurückzieht und damit nicht mehr als Pfarrer zur Verfügung steht.