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Notiz für Gutgläubige

Ich bin ein Glückspilz. Gleich zwei Mal in dieser Woche.

Franz Schaible
Franz Schaible
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Doch nichts mit dem Reichtum.

Doch nichts mit dem Reichtum.

Keystone

Erstens habe ich an einer Sonderverlosung exakt 16 984 796 Euro gewonnen. Die Überraschung ist umso grösser, weil ich verdrängt habe, dass ich bereits am 23. Mai 2014 an der Verlosung teilgenommen habe und nun meine Ticketnummer den Reibach auslöst. Ich frage mich bereits, wie ich als Millionär mein künftiges Leben gestalten werde.

Und für den Fall, dass das viele Geld nicht ausreicht, um meine Zukunftspläne finanzieren zu können, habe ich, zweitens, zwei interessante Angebote erhalten. Die UniCredit, ein global agierender Finanzdienstleister in London, schreibt mir persönlich. «Wir können Ihnen rasch und einfach mit einem Darlehen in gewünschter Höhe dienen.» Und jetzt kommt es: Für den Kredit muss ich sage und schreibe pro Jahr nur 1,3 Prozent Zins bezahlen. Nur einen Tag später erhalte ich elektronische Post von der Global Credit Acceptance: Zins für einen Kredit in beliebiger Höhe 1,3 Prozent.

Die Krux an der Geschichte ist, dass alles erstunken und erlogen ist. Die Glücksbotschaften haben nämlich nur ein Ziel: Die Absender wollen meine persönlichen Daten absaugen, um auf irgendeine Art Zugriff auf mein Kapital zu erlangen.

Stümperhaft ist das Vorgehen der Betrüger. Seit Jahren sind sie auf Fischfang im Netz, immer mit ähnlichen Versprechen und Wortlaut sowie haarsträubenden sprachlichen Fehlern. So offensichtlich und primitiv die Betrugsmethode auch ist, offenbar ist sie nicht erfolglos. Ab und zu bleibt ein Fisch hängen und die Betrüger werden zu Glückspilzen. Nur so ist deren langer Schnauf zu erklären. Und das ist eigentlich das Bedenkliche an der ganzen Sache.

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