Kommentar
Noten für alle

Kommentar zur Beurteilungspraxis von Schülerinnen und Schülern im Kanton Solothurn von OT-Chefredaktor Beat Nützi.

Beat Nützi
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Bruno Kissling

Solothurn ist einer der wenigen Kantone, die ab der ersten Klasse Noten verteilen. Das war nicht immer so. Den seinerzeitigen Trends folgend, wurden Anfang der Neunzigerjahre auch bei uns auf den unteren Stufen der Primarschule die Noten abgeschafft.

Das damals angewandte Leistungsprädikat «Lernziel erreicht» war allerdings interpretierbar, was stets zu Missverständnissen führte. Nicht selten vermittelte es Kindern und ihren Eltern (zu) lange das Gefühl, die Leistungen seien ausreichend.

Dadurch wähnten sie sich in einer falschen Sicherheit, bis dann mit den Noten das böse Erwachen kam. Und dieses ging oft einher mit Vorwürfen gegenüber der Lehrerschaft, sie habe nicht rechtzeitig auf Defizite hingewiesen.

Doch in solchen Fällen musste immer wieder festgestellt werden, dass entsprechende Hinweise seitens der Lehrkraft beim Beurteilungsgespräch auf der Gegenseite nicht auf Gehör stiessen. Man nahm vom Beurteilungsgespräch nur mit, was man hören wollte, und gab sich zufrieden mit der Schlussbeurteilung «Lernziel erreicht».

So wurden auf parlamentarischen Druck hin 2011 die Schulnoten wieder für alle Klassen eingeführt. Damit konnte Missverständnissen vorgebeugt werden. Zentral ist und bleibt jedoch das Beurteilungsgespräch bzw. das «Notengespräch».

Hier sollen Schüler und Eltern möglichst frühzeitig erfahren, welchen Stellenwert Noten haben und wie mit ihnen umzugehen ist. Das ist eigentlich das Wichtigste.

Für die heutige Beurteilungspraxis, die wie alle andern Vor- und Nachteile hat, spricht aber vor allem, dass in Sachen Noten nicht ständig hin- und hergewechselt werden sollte.

beat.nuetzi@azmedien.ch