Kommentar
Nicht Hände weg

Die gefährdete Bahnstrecke zwischen Solothurn und Moutier ist in aller Munde.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
Merken
Drucken
Teilen

Mit «Hände weg von der Solothurn-Moutier-Bahn!» ist eine breit abgestützte Petition an den Bundesrat überschrieben. Wenn diese Botschaft in Bern bloss nicht falsch verstanden wird. Die Bahn läuft doch anscheinend Gefahr, stillgelegt zu werden. Hmm . . . sollte da nicht zum Gegenteil aufrufen, wer dies verhindern will? «Anpacken und zugreifen» muss doch das Motto lauten. Die Behörden bei der Sanierung und die Verkehrsteilnehmer beim Kauf von möglichst vielen Zugbilletts, damit jeder Bahnfahrer wenigstens einmal im Leben mit den eigenen Händen über das angenehme Sitzpolster im Innern eines SMB-Waggons gestreichelt hat. Also alle Hände hin zur serbelnden Bahn! Ganzjährige Ausflugsziele im Umfeld der Linie gibt es genügend. Und ab 20. Dezember kommt mit der neuen Seilbahn ein weiteres verlockendes Angebot hinzu. In diesem Zusammenhang fällt übrigens auf, dass sich Krethi und Plethi für die gefährdete Eisenbahnstrecke einsetzt, sich offiziell zitieren lässt – bloss die Seilbahn Weissenstein, sie taucht in diesem Kontext nicht auf.

Wie bei der Gondelbahn sind auch für die Schienenversion in kürzester Zeit Tausende Unterschriften zusammengekommen. Phänomenal, wenn man bedenkt, wie hart das Sammeln von «Autogrammen» sein kann. Noch hat die Gleichgültigkeit des passiv konsumierenden Individuums gegenüber gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen nicht gänzlich nachgelassen. Das ist höchst erfreulich, besonders wenn keine unmittelbare Betroffenheit gegeben ist. Nicht minder erfreulich wäre es, wenn all die Unterstützer für ihre nächste Fahrt nach Gänsbrunnen das Auto stehen lassen würden. Denn ab sofort kann niemand mehr vorgeben, diese Bahnverbindung nicht zu kennen.