Kommentar
Nicht angemessen

Seit einem Jahr hält die Solothurner Justiz den Behördenschreck K. W. in Untersuchungshaft.

Lucien Fluri
Lucien Fluri
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(Symbolbild)

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KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Was verdient einer, der einen Richter gebissen und einen Gerichtsschreiber geschlagen hat? Eine angemessene, gewiss auch abschreckende Strafe, würden die meisten von uns spontan sagen. Mitgefühl? Fehl am Platz. Und doch kommt um gewisse Bedenken nicht herum, wer die Gangart der Solothurner Justiz mit dem Richterbeisser näher anschaut. Seit fast genau einem Jahr ist der Querulant – auch wegen Rückfallgefahr – im Untersuchungsgefängnis weggesperrt. Auch nach Abschluss der Ermittlungen. Ohne Telefonkontakt nach aussen. 23 Stunden pro Tag ist er isoliert. Solothurner Haftzustände, die die nationale Anti-Folter-Kommission generell schon gerügt hat.

K. W. ist kein Unschuldslamm. Aber ist ein Untersuchungsgefängnis der richtige Platz für den durchaus intelligenten, aber kranken Mann? Ist es richtig, dass ein Mann, der allergisch auf staatliche Zwangsanordnungen reagiert hat, vom Staat derart in den Schraubstock genommen wird? Es braucht wenig Fantasie, um sich vorzustellen, dass diese Unterbringung den Mann, der verbissen gegen – gefühltes – Unrecht in der Justiz gekämpft hat, weiter in den Irrsinn treibt. Es wird eine Spirale losgetreten. K. W. wird weiter festgehalten, er wird noch renitenter. Und das gibt Grund, ihn noch länger festzuhalten.

Die Solothurner Justiz scheint ratlos im Umgang mit dem Mann, der seit Jahren Richter und Staatsanwälte an Gerichtsverhandlungen beäugte. Letztlich muss man sich fragen, ob die Solothurner Behörden überhaupt die richtigen sind, um K. W. unvoreingenommen zu beurteilen und über ihn zu urteilen. Bisher macht dies nicht wirklich der Eindruck.

lucien.fluri@azmedien.ch