Ausstiegsinitative
Nein zu einer überhasteten «Hauruckübung»

Gastkolumne zur bevorstehenden Abstimmung über die Ausstiegsinitiative der Grünen.

Marianne Meister
Marianne Meister
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Marianne Meister findet: «Bestehende AKWs sollen so lange am Netz bleiben, wie sie sicher sind.»

Marianne Meister findet: «Bestehende AKWs sollen so lange am Netz bleiben, wie sie sicher sind.»

HO

Die Grünen verlangen mit ihrer Ausstiegsinitiative eine vorzeitige Abschaltung aller Schweizer Kernkraftwerke. Bereits 2017 müssten die ersten drei Werke vom Netz genommen werden. Das bedeutet, dass bereits im Winter des nächsten Jahres 15 Prozent der Stromproduktion wegfallen würden. Unsere Stromnetze sind für solche Experimente nicht bereit.

Das ist eine ideologische Hauruck-Übung, die unsere Versorgungssicherheit gefährdet. Es ist nicht möglich die 40 Prozent Kernkraft am Schweizer Strommix, in dieser kurzen Zeit, mit inländischer Produktion, «einfach so» zu ersetzen. In der Praxis müsste diese Lücke mit «dreckigem», CO2 intensivem europäischem Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken gefüllt werden.

Klimapolitisch wäre das für die Schweiz, als grünste Wirtschaft der Welt, eine Katastrophe. Das würde in krassem Gegensatz zu den Umwelt- und Klimaschutzbemühungen der Schweizer Industrie stehen.

Heute dauert es viele Jahre bis Jahrzehnte, bis neue Wasserkraftwerke oder Windturbinen ans Netz gehen. Wir müssen Speichertechnologien, intelligente Stromnetze und die Energieeffizienz weiter entwickeln.

Es sind Innovationen in neue Technologien notwendig, die besonders für KMU grosse Chancen bieten und neue Märkte eröffnen. Eine neue Energiepolitik muss sorgfältig geplant und Schritt für Schritt eingeführt werden.

Es stellt sich also für mich nicht die ideologische Frage «ob wir», sondern «wie» wir den Sprung ins Zeitalter erneuerbarer Energien schaffen. Es stellt sich die Frage, ob wir uns für eine überhastete und unrealistische «Hauruck-Übung» oder einen schrittweisen, geordneten und sicheren Ausstieg aus der Atomenergie entscheiden, wie dies Bundesrat und das Parlament beschlossen haben.

Die bestehenden Atomkraftwerke sollen so lange am Netz bleiben, wie sie sicher sind. Die starre Laufzeitbeschränkung lässt sich mit Sicherheitsargumenten nicht begründen und ist willkürlich festgelegt. Sie sagt nichts über den Zustand und die Sicherheit eines einzelnen Werkes aus.

Wenn man die bestehenden Kraftwerke vor der ihnen zugesicherten Frist abstellt, würden ihre Betreiber mit Sicherheit Schadenersatzforderungen verlangen. Das Volk müsste vermutlich mehrere hundert Millionen Steuerfranken einschiessen – absurd!

Die Ausstiegsinitiative der Grünen führt zu weniger Versorgungssicherheit, mehr Importen von Kohlestrom aus dem Ausland und hohen Kosten.
Darum sage ich am 27. November Nein zur Atomausstiegsinitiative.