Stahlwerk Gerlafingen
Nagelprobe nicht bestanden

Franz Schaible
Franz Schaible
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Technische Berufe können im Stahlwerk Gerlafingen nicht mehr erlernt werden.

Technische Berufe können im Stahlwerk Gerlafingen nicht mehr erlernt werden.

Solothurner Zeitung

Wir wissen es: Der Bund, geschweige denn der Kanton oder die Gemeinde können den Industrie- und Werkplatz Schweiz nicht auf Teufel komm raus schützen und bewahren. Das ist gewollt und in der Regel auch richtig. Der wirtschaftliche Erfolg der Schweiz ist nicht zuletzt dem liberalen Geist zu verdanken, indem der Staat nur so viel Einfluss nimmt wie nötig. Und einen wirtschaftlichen Strukturwandel – ausgelöst durch die globale Entwicklung – aufzuhalten, ist letztlich kontraproduktiv.

Aber es gibt Situationen, in denen es sich lohnt, die ordnungspolitische Richtschnur zu überschreiten. Anschauungsunterricht dazu ist das traditionsreiche Stahlwerk in Gerlafingen. Als Vertreter der Basisindustrie kämpft der Standort in einem entfesselten Markt seit Jahren ums Überleben. Um den Kostenblock zu senken, kam sogar die Schliessung der Lehrwerkstatt aufs Tapet. In Zusammenarbeit mit dem Seco wurde eine Lösung zum Erhalt der Ausbildungsstätte ausgearbeitet, die diese Richtschnur zumindest tangiert.

Dass sich der Kanton Solothurn in dieser Sache wenig flexibel zeigt, ist nicht nachvollziehbar. Dies umso mehr, weil derselbe Kanton bei der Neuansiedlung von Biogen offensichtlich grosse Flexibilität gezeigt hat. Nur so war es wohl möglich, das Riesenprojekt innerhalb von zwölf Monaten pfannenfertig aufzugleisen. Und im Fall der Lehrwerkstatt geht es nicht nur um zwölf Lernende, die jetzt einen neuen Ausbildungsplatz suchen müssen. Es geht darum, dass wertvolle industrielle Ausbildungsplätze verloren gehen.

Gebetsmühlenartig wird beteuert, wie wichtig die Ausbildung künftiger Fachkräfte, gerade in der Industrie, ist. Jetzt hätte der Kanton den kleinen Spielraum nutzen und beweisen können, dass es ihm damit ernst ist. Kurz: Die Behörden haben die Nagelprobe nicht bestanden.

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