Alpiq-Verwaltungsrat
Nachvollziehbar? Erst auf den zweiten Blick

Die Portierung eines Externen als Kantonsvertreter im Alpiq-Verwaltungsrat stösst auf Kritik.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Heinz Saner soll in den Alpiq-Verwaltungsrat.

Heinz Saner soll in den Alpiq-Verwaltungsrat.

zvg

Auf den ersten Blick eine völlig schräge Geschichte, wie sich der Kanton Solothurn künftig als Mitbesitzer der Alpiq in deren Verwaltungsrat positionieren will. Bisher hat jeweils ein aktives oder zumindest ehemaliges Mitglied des Regierungsrats direkten Einfluss auf die Strategie des Energiekonzerns genommen. Damit soll jetzt Schluss sein. Die Aufgabe wird nach dem Abgang von Verwaltungsrat-Vizepräsident Christian Wanner kurzerhand an eine Drittperson delegiert. Und erst noch an einen Vertreter der alten Atel-Garde. Einen, der bei der Alpiq-Neuorganisation 2011 über die Klinge springen musste. Das löst Stirnrunzeln aus und wirft Fragen auf.

Ist es derart unattraktiv geworden, im wirtschaftlich gebeutelten Energiegeschäft Verantwortung zu tragen, ohne viel Einfluss nehmen zu können? Ist es eine Zumutung, lediglich für einige Spesenfranken zeitintensive Zusatzarbeit im Interesse des Kantons zu leisten? Wäre das Mandat reizvoller gewesen, wenn die Sitzungsgelder nicht an die Staatskasse abgeliefert werden müssten? Ist die Wahl des Mandatsträgers wirklich der Weisheit letzter Schluss?

Verweigern wir uns nicht einem zweiten Blick. Kaum erstaunlich: Das Regierungsgremium liefert für jedes Fragezeichen eine schlüssige Antwort ab. Hält diese Stellungnahme jedoch auch einer näheren Betrachtung stand? Dem Zeitgeist entsprechend sollten Exekutivmitglieder nicht mehr von Amtes wegen in Verwaltungsräten Einsitz nehmen. Corporate Governance heisst das Zauberwort für Transparenz, Entflechtung
und Risikominderung. Damit sind die Regierungsratsmitglieder bezüglich Verantwortung und Entschädigung elegant aus dem Schneider. Bleibt die personelle Entscheidung. Bei diesem Punkt will das Stirnrunzeln nicht verschwinden, zumal nun zwei Magistraten abtreten und für diese Aufgabe einsetzbar gewesen wären. Gestandene Amtsträger, denen das Volk mehrmals das Vertrauen ausgesprochen hat.

Nun, zwar nicht völlig schräg das Ganze, aber fadengerade eben auch nicht.

theodor.eckert@azmedien.ch

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